Adidas Aktien- ist der Kurssprung vorbei?

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Die Adidas-Aktien gehören in diesem Jahr zu den Gewinnern. Das Unternehmen hat im Vergleich zum Gesamtmarkt in Form des DAX Index deutlich überperformt und dabei die Konjunktur-Flaute in China sowie die mit den Sanktionen verbundenen Umsatzrisiken in Russland gut überstanden. Für das Kursfeuerwerk der beiden letzten Monate, sind nicht zuletzt die in den Erwartungen übertroffenen Quartalszahlen verantwortlich.

Adidas übertrifft die Erwartungen

Per September verzeichnete das Unternehmen eine Steigerung der Gesamtumsätze von 13 %. Der Gewinn wurde auf + 10,4 % beziffert. Damit übertreffen die Zahlen die Erwartungen der Analysten deutlich. Adidas-Chef Herbert Hainer erhöhte damit die Prognosen für das laufende Jahr. Die Skandale um Fifa und den DFB-Verband sieht er derweil überhaupt nicht imageschädigend, da Konsumenten wohl zwischen Produkten und Partnerschaften unterscheiden können.

Die gute Entwicklung bei den Zahlen, führt der Konzern sogar zum Teil auf zuletzt gebeutelte Sparten zurück. Beispielsweise konnte die zum baldigen Verkauf stehende Golfsparte ebenfalls bei den Umsätzen überzeugen. Auch Umsätze in zuletzt schlecht laufenden Ländern zogen wieder an, so auch in Nordamerika, wo der Umsatz um satte 6,3 % im dritten Quartal angesprungen ist.

Auch konnten die Russland- Sanktionen, dem Unternehmen im Gegensatz zu anderen DAX-Konzernen kaum etwas anhaben. Zwar wirkt sich der stagnierende Rubel auf die Umsätze aus, mit der Produktion und dem Absatz vor Ort, können starke Währungseinschnitte vermieden werden. Insgesamt verzeichnete das Unternehmen eine Umsatzsteigung von 18 % im dritten Quartal und einen Überschuss von 311 Mio. Euro.

Die Haupttreiber waren dennoch wie immer die Sparten Fussball-Trikots, Schuhe und Street-Ware. Der Umsatz bei der Golfsparte wuchs währungsbereinigt um 6 %, ohne Währungsbereinigung ermöglichte der starke US-Dollar einen Zuwachs von 15 %. Die Sparte steht jedoch vor der Sanierung und soll eventuell sogar komplett ausgegliedert werden. Damit wären weitere Einsparungen verbunden. Ungefähr von 200 Mitarbeitern würde sich Adidas in diesem Fall trennen, wie Herbert Hainer bereits ankündigte.

Der Aktienkurs der Adidas AG

Derweil kann sich Adidas über neue Großaktionäre freuen und damit auch die restlichen Aktionäre, denn der Aktienkurs erfährt auf diese Weise nicht selten eine umso mehr richtungsbestätigende Komponente (Hier gehts zur Adidas Aktie). Zu den Investoren kommen wir gleich noch. Vorher schauen wir uns das Monats-Chart an und was es uns zum einen über den vergangenen und zum anderen über den zukünftigen Verlauf erzählen kann.

Aktienkurs guidants.com

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Wir sehen einen deutlichen Aufwärtstrend seit 2003. Die globale Finanzkrise ging natürlich auch an Adidas nicht spurlos vorbei. Der Kurs der Adidas-Aktie büsste im Zuge der Krise mehr als 50 % des damaligen Wertes von knapp über 50 Euro je Aktie ein. Der sich daran anschließende Trend brachte die Aktie innerhalb der nächsten zwei Jahre wieder auf das Hoch von 2008. Nach einer kurzen Verschnaufpause, erfolgte ein nachhaltiger Durchbruch der technischen Widerstandszone und katapultierte die Aktie bis ins Jahr 2013 auf 95 Euro je Aktie.

Zu Beginn des Jahres 2014 musste die Aktie allerdings wieder starke Einbußen verzeichnen und fiel auf das Ausbruchsniveau bei 55 Euro je Aktie zurück. Die Gründe waren unter anderem die sich abzeichnende Schwellenländerkrise, sowie der schlechte Absatz in Nordamerika. Die Schwellenländerkrise, die sich vor allem in fallenden Währungskursen zeigte, besonders im Absatzmarkt Russland, führte schließlich bei den in Euro umgerechneten Umsätzen zu sehr geringen Zuwächsen. Die Gewinnwarnungen zum Ende des zweiten Quartals 2014, wirkten sich einigen Analysten zufolge allerdings viel zu übertrieben auf den Aktienkurs aus.

Neben der Schwellenländer-Problematik, schienen sich die Anleger womöglich auch vor dem harten Konkurrenzkampf mit Nike keine großen Hoffnungen mehr zu machen. In Nordamerika, wo Adidas auf den Konkurrenten Nike trifft, verlor das Unternehmen satte 14 % an Umsätzen im zweiten Quartal 2014 und verzeichnete damit insgesamt im ersten halben Jahr einen Umsatzrückgang von 2 %. Auch die Golfsparte hatte sich in diesem Zeitraum als unprofitabel erwiesen.

Ab Ende 2014 sollte allerdings der Effekt des schwachen Euro insgesamt zu einem besseren Jahr 2015 verhelfen. Der Kurs bildete einen technischen Boden und stieg in Folge bis ins zweite Quartal 2015 auf ein Niveau knapp über 75 Euro je Aktie, an. Eine Korrektur, bedingt durch vermehrte Risiken aus der politischen Richtung (Griechenland) sowie weiteren konjunkturellen Entwicklungen, haben den Anlegern vermehrt Sorgen bereitet.

Der Rückblick auf den Kursverlauf deutet allerdings darauf hin, dass sich in dem aktuellen Kursbereich womöglich erst einmal Nachfrageschwäche etabliert. Das ist nach so einem starken Anstieg nicht ungewöhnlich und muss nicht unbedingt negativ sein, eröffnen Schwächephasen doch auch günstige Kaufmöglichkeiten im Trend. Auch ein Ausbruch aus dem All-Time High eröffnet neue Chancen.

Unternehmen Adidas Nike Puma
Jahresumsatz 2014 14 Mrd. € 28 Mrd. € 3 Mrd. €

 

Neue Investoren an Bord

Mindestens +46 % konnte die Aktie seit Anfang September an Wertgewinn verzeichnen. Neben den starken Quartalszahlen und den nach oben angepassten Prognosen, sollten weiterhin auch die Faktoren schwacher Euro und neue Investoren für zusätzliches Potential sorgen. Letztere hatten in der jüngsten Vergangenheit mit dem Kauf von Adidas-Aktien Aufsehen erregt.

Der ägyptische Unternehmer und Milliardär Nassef Sawiris investierte vor einem Monat in Adidas-Aktien sowohl direkt als auch über Options-Stillhaltergeschäfte. Dabei verkauft Sawiris Aktienoptionen. Da im Rahmen des Stillhaltergeschäfts Aktien ebenfalls, wenn auch nur geliehen, dem Stillhalter als Eigentum zugesprochen werden, erreichte der Investor einen gesamten Anteil von 6 % am Unternehmen.

Doch das besondere ist nicht der Umstand seines Investments an sich, sondern seine Strategie, die er zusammen mit einem anderen Großinvestor, dem Belgier Albert Frère, verfolgt. Dieser hält ebenfalls über verschiedene Unternehmen mehr als 3 % an Adidas. Die beiden sind bekannt dafür im Verbund zu investieren, da sie sich aus früheren Geschäften gut kennen.

Sawiris verkaufte die Zement-Sparte seines eigenen Unternehmens (Orascom Construction) in 2008 an Lafrage, das Unternehmen das von Frère geführt wurde. Daraufhin haben beide sich bei der nächsten Akquisition zusammengeschlossen und Lafrage schluckte den größten Konkurrenten Holcim. Auffällig ist, dass die Investoren bereits vor Veröffentlichung der Quartalsberichte in Adidas investierten.

Fazit- Das Online-Geschäft wächst dynamischer als gedacht

Die Kursphantasien der Anleger sind bei Adidas im Grunde genommen berechtigt. Allerdings neigen diese Phantasien kurzfristig zu Übertreibungen, womit der Kurs auch für Korrekturen anfällig wird. Wie im Rückblick gesehen, scheint sich die Entwicklung der Zahlen und damit der Erwartungen im Großen und Ganzen an der globalen Nachfrage und neuen Trends zu richten und hier sind die Erwartungen an die Zukunft nicht schlecht.

Berichten der FAZ zu Folge, scheint die E-Commerce Sparte viel dynamischer zu wachsen als bisher gedacht. Zu verdanken auch sicherlich dem stetig wachsenden Fitness-Lifestyle Trend. Schwäche sieht das Management in 2016 wiedermal mit Währungsabwertungen in den Schwellenländern im Zusammenhang stehen. Da die Produktion überwiegend in diesen stattfindet und Zulieferer ihre Einkäufe in US-Dollar tätigen, sollte sich der Währungssturz gegen den US-Dollar erst im nächsten Jahr in den Bilanzen zeigen.

Quellen:

http://www.boersenpoint.de/nc/boersenportal/aktie/?isin[id]=DE000A1EWWW0

http://www.boerse-online.de/nachrichten/aktien/Adidas-Aktie-setzt-sich-nach-hoeheren-Zielen-an-Dax-Spitze-Was-Anleger-jetzt-tun-sollten-1000895405

http://www.welt.de/wirtschaft/article148482662/Was-plant-der-aegyptische-Milliardaer-mit-Adidas.html

http://www.n-tv.de/wirtschaft/Adidas-Aktien-fallen-auf-Zweijahrestief-article13382826.html

http://de.reuters.com/article/companiesNews/idDEKBN0TK3CQ20151201

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/aegypten-das-firmenimperium-der-sawiris-famliie/3826134.html

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/bertelsmann-albert-frere-verschwiegen-und-unberechenbar-seite-2/2607768-2.html

 

Bildquelle: „Adidas Aktie“  bigstock-ID-68865577-by-radub85