Das Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren

Das Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren kann das Nettogehalt aufhübschenFoto ©Bigstock

Die Lohnsteuer ist eine direkte Steuer. Das heißt, angestellte Arbeitnehmer kümmern sich nicht selbst darum, sondern überlassen die monatlichen Abgaben an das Finanzamt dem Arbeitgeber. Genau deshalb finden wir auf unseren Lohnabrechnungen sowohl den Bruttobetrag, als auch den Nettobetrag unseres Arbeitslohns und schlagen beim genaueren Vergleich der beiden Zahlen nur allzu gerne die Hände vors Gesicht.

Mehr Netto vom Bruttolohn mit dem Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren

Wie viel Lohnsteuer entrichtet werden muss, hängt vom Bundesland, von der Steuerklasse und der Höhe des Verdienstes ab. Wenn der Jahresverdienst unter 8004 Euro liegt, muss in der Regel keine Lohnsteuer angerechnet werden. Um den Nettoverdienst und damit die tatsächlich auszuzahlende Summe zu ermitteln, berücksichtigt der Arbeitgeber Monat für Monat die genannten Faktoren, errechnet auf den verdienten Bruttobetrag die Lohnsteuer und zieht diesen Betrag vom Bruttobetrag ab, um ihn ans Finanzamt abzuführen. Soweit zum Standardvorgehen. Nach § 39a EStG darf der Arbeitnehmer bei Bedarf allerdings am sogenannten Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren teilnehmen. Das allmonatliche Standardrechenverfahren bei der Gehaltsabrechnung verändert sich so für den Arbeitgeber, denn statt auf den Gesamtbetrag des Bruttolohns wird die Lohnsteuer fortan auf einen geringeren Verdienstbetrag angerechnet. Beim Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren beantragt der Arbeitnehmer beim Finanzamt seiner Gemeinde, über ein vorgefertigtes Formular, Freibeträge für zu erwartend erhöhte Aufwendungen im kommenden Kalenderjahr. Die stattgegebenen Freibeträge werden Monat für Monat vom Bruttoverdienst abgezogen. Die daraus resultierende Summe entspricht dem Betrag, auf den die Lohnsteuer während des Kalenderjahres angerechnet wird. Kurzum liegt der Lohnsteuer so ein geringerer Betrag zu Grunde, was die Steuerabzüge selbst geringer ausfallen lässt. Der Arbeitnehmer erhält also monatlich einen höheren Nettoverdienst ausgezahlt. Die Errechnung der relevanten Freibeträge erfolgt individuell nach der jeweiligen Situation des Antragstellers.

Lohnsteuerfreibeträge durch Sonderkosten, Werbungskosten und außergewöhnliche Belastungen

Es gibt verschiedene Ausgaben, die die Steuerlast vermindern. Dieses Phänomen kennt jeder aus der alljährlichen Steuererklärung, die oft genug in eine Rückerstattung bezahlter Steuergelder mündet. Beim Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren werden Ausgaben zur Verminderung der Steuerlast statt erst in der Steuererklärung mit sofortiger Wirkung berücksichtigt. Der Antrag auf dieses Verfahren wird beim Finanzamt ab Oktober bis Ende November eines laufenden Jahres gestellt. Der Antragsteller erhält schon ab dem Folgemonat ein höheres Nettogehalt zugesprochen, sofern sein Antrag bewilligt worden ist. Um einen Freibetrag eingetragen zu bekommen, müssen die zu erwartenden Aufwendungen im Kalenderjahr allerdings eine Grenze von 600 Euro übersteigen. Bei kleineren Summen ist die Antragsstellung nicht besonders vielversprechend. Zu den wichtigsten Gebieten für Freibeträge zählen zu erwartende Werbungskosten, außergewöhnliche Belastungen und Sonderausgaben:

  • Sonderausgaben: In den Bereich der Sonderausgaben fallen vor allem Unterhaltszahlungen an Kinder oder geschiedene Partner. Zusätzlich werden Kinderbetreuungskosten angerechnet. Als Sonderausgaben können außerdem die Kosten für die eigene Berufsausbildung angesetzt werden. Das gilt speziell für ein Erststudium oder eine erstmalige Berufsausbildung.
  • Werbungskosten: Werbungskosten sind zum Beispiel sämtliche Ausgaben für Arbeitskleidung, Werkzeuge oder Fachliteratur. Davon abgesehen können Fortbildungskosten und Fahrtkosten geltend gemacht werden. Dasselbe gilt für Beitragskosten zu etwaigen Berufsverbänden.
  • Außergewöhnliche Belastungen: Als außergewöhnliche Belastungen werden vor allem Pauschalbeträge wie der Behindertenpauschalbetrag oder der Hinterbliebenenpauschalbetrag angesetzt. Für behinderte Menschen hängt der Freibetrag von der Schwere der Einschränkung ab.
  • Anderweitige Freibeträge: Neben den genannten Bereichen können zusätzlich negative Bilanzen aus dem Kapitalvermögen oder solche aus Vermietung und Verpachtung, Land- und Forstwirtschaft oder einem Gewerbebetrieb im Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren geltend gemacht werden. Dasselbe gilt für Ausgaben im Bezug auf haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, so zum Beispiel für Handwerker oder haushaltsrelevante Dienstleistungen.

Für wen ist das Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren relevant?

Aus der obigen Auflistung ergeben sich die Menschengruppen, die am meisten von dem Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren profitieren. Dazu gehören zum Beispiel Eltern, anderweitig Unterhaltspflichtige, Menschen mit körperlichen oder seelischen Einschränkungen und Berufspendler. Aber wieso nicht einfach auf die Steuererklärung warten, bei der die genannten Aufwendungen sowieso geltend gemacht werden können? Ganz einfach: Das Wissen, Steuergelder zurück zu erhalten, nützt wenig, wenn dafür aktuell kaum etwas vom Lohn übrig bleibt. Das Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren ist nur für ein einzelnes Kalenderjahr gültig. Die gewährten Freibeträge werden nicht automatisch übernommen, sondern müssen jährlich neu beantragt werden, da sich die persönliche Situation jederzeit ändern kann. Das Verfahren ersetzt nicht die Steuererklärung. Viel mehr muss in der Steuererklärung ersichtlich gemacht werden, dass die erwartungsgemäß angesetzten Ausgaben tatsächlich angefallen sind. Das muss unaufgefordert und nach den üblichen Fristen passieren. Ob sich die Beantragung der Lohnsteuerermäßigung für ein bestimmtes Kalenderjahr lohnt, kann vorab durch ein grobes Überschlagen der zu erwartenden Jahresaufwendungen abgeklärt werden. Wenn ein Arbeitnehmer zum Beispiel 220 Tage im Jahr 40 Kilometer zur Arbeit fährt, dann ergibt das einen Freibetrag im dreistelligen Bereich. Für jeden Kilometer lassen sich 30 Cent ansetzen. Diese Rechnung ergibt einen Gesamtbetrag von 2640 Euro. Von diesem Betrag muss der Arbeitnehmerpauschalbetrag von 1000 Euro für Werbungskosten abgezogen werden. Übrig bleiben 1640 Euro, die über der Grenze von 600 Euro liegen und daher geltend gemacht werden können. Würde der Arbeitnehmer nur 10 Kilometer an 220 Tagen fahren, so ergäbe das einen Gesamtbetrag von nur 660 Euro, der nach Abzug des Arbeitnehmerpauschalbetrags nicht mehr als Freibetrag angesetzt werden kann. Für die Sonderkosten liegt der Pauschalbetrag bei nur 36 Euro. Wer also für Kinderbetreuung zu erwartende Sonderkosten von 836 Euro ansetzt, kann im Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren bereits ganze 800 Euro als Freibetrag geltend machen. Mehr zur Gültigkeit der Freibeträge gibt es hier.

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