Dax-Gewinner und Verlierer 2015

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2015 war für den deutschen Leitindex DAX ein aufregendes Jahr. Bereits Anfang 2015 gab EZB-Präsident Mario Draghi bekannt, dass seine Behörde ein Anleihekaufprogramm im Stile der US-amerikanischen Notenbank plant und bis September 2016 Staats- und Unternehmensanleihen im Wert von 60 Milliarden Euro pro Monat erwerben will. Das Gesamtvolumen des Programms beläuft sich auf gut eine Billion Euro. Der DAX reagierte darauf euphorisch und überschritt am 22. Januar erstmals in seiner Geschichte dauerhaft die 10.000-Punkte-Marke.

Die aggressive Offenmarktpolitik der EZB sorgte in Verbindung mit guten Konjunkturaussichten für die nächsten beiden Quartale dafür, dass die Hausse anhielt. Daran konnten auch die politischen Wirren zu Beginn des Jahres 2015 nichts ändern. Die desolaten griechischen Finanzen und der Konfrontationskurs der im April neu gewählten griechischen Regierung unter Ministerpräsident Tsipras sorgten zwar für Irritationen, nachdem aber ein Kompromiss für Hellas gefunden wurde, notierte der DAX am Folgetag bereits deutlich oberhalb der 11.000-Punkte-Marke Auch die schwere politische Krise und die kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ostukraine konnten den Höhenflug des DAX nicht stoppen, der erstmalig im März und wiederholt im April oberhalb von 12.000 Punkten abschloss und damit seit Jahresbeginn satte 25% Wachstum verzeichnete. Zur Trendwende kam es dann Mitte des Jahres. Im August stürzte der DAX dramatisch ab und sank erstmals wieder unter die 10.000-Punkte-Marke. Schuld daran war die schlechte wirtschaftliche Lage in China, die die Börsen des Landes zum Einstürzen brachte, Dow Jones, Nikkei und DAX gerieten in dem Abwärtssog. Nach einer kurzzeitigen Erholung ist der DAX Mitte Oktober, nach Bekanntgabe der Daten zur Inflation in der Eurozone, erneut eingebrochen, konnte sich im weiteren Verlauf aber wieder stabilisieren.

DAX Verlauf 2015

DAX Verlauf 2015

Neuzugänge

Viel Bewegung gab es 2015 nicht. Der Spezialchemie-Hersteller Lanxess aus Köln musste seinen Platz unter den Top 30 an die Deutsche Anninton, die nunmehr als Vonovia SE firmiert, abgeben. Die Aufnahme des Wohnungsbauriesen wird als Konzession an den neuen Immobilienboom betrachtet, während die Lanxess-Aktien für die Anleger nicht mehr interessant genug waren, um das für den Verbleib im DAX erforderliche Handelsvolumen zu erreichen.

DAX-Gewinner

Ein DAX-Gewinner 2015 ist die Deutsche Börse selbst. Der Kurs des Unternehmens startete zu Beginn des Jahres mit gut 59 Euro pro Aktie und lag Mitte Dezember bei einem Wert von über 75 Euro, nachdem zwischenzeitlich sogar die 80er Marke gerissen wurde. Dem Unternehmen kam das DAX-Allzeithoch und das enorme Handelsvolumen zugute. Für einen Platz unter den Top 10 im Jahresvergleich reicht diese Performance allerdings nicht. Die ersten drei Plätze gingen an Infineon, adidas und die Fresenius SE & CO. KGaA, die Muttergesellschaft des Gesundheitskonzerns, deren Tochter Fresenius Medical Care es ebenfalls unter die zehn Besten schaffte und Rang 7 belegt. Der durch Ausgliederung aus dem Siemens-Konzern entstandene Halbleiterhersteller Infinenon entwickelte sich 2015 prächtig. Der Aktienkurs kletterte im Jahresvergleich um fast 60 Prozent und lag im Dezember 2015 bei einem Wert von 13,30 Euro, nachdem er im Januar mit 8,84 Euro gestartet war. Infineon hatte im Jahr 2014 die International Rectifier Corporation übernommen. Einen US-amerikanischen Hersteller von Leistungshalbleitern und integrierten Schaltungen, der etwa eine Milliarde US-Dollar Umsatz erwirtschaftete. 2015 konnte Infineon die erfolgreiche Integration des Unternehmens in den Konzern bekanntgeben, was die Entwicklung des Aktienkurses beflügelte. Der Sportartikelhersteller adidas aus dem mittelfränkischen Herzogenaurach verzeichnete 2015 ein turbulentes, aber im Ergebnis ebenfalls sehr erfolgreiches Geschäftsjahr. Der Konzern war durch den Verfall des Rubels in seinem drittwichtigstem Absatzmarkt Russland zeitweise unter Druck geraten. Nach einem unerwartet guten Sommerquartal konnte der Konzern die Umsatzziele für 2015 aber sogar noch erhöhen. Maßgeblich dafür war eine konstant starke Nachfrage im Kernsegment „Fußballausstattungen“, das bereits von der bevorstehenden EM 2016 profitierte. Diese Entwicklung spiegelt sich im Aktienkurs des Unternehmen wieder, der im Jahresvergleich um gut 51% zulegte. Auch der Gesundheitskonzern Fresenius kann 2015 auf ein besonders erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken. Das Unternehmen gab im August bekannt, das es das Ergebnisziel für 2017, das mit 1,4 bis 1,5 Milliarden Euro angesetzt war, bereits im laufenden Geschäftsjahr erreichen wird. Gleichzeitig wurde eine kräftige Erhöhung der Dividende um 20 % angekündigt. Kein Wunder also, dass auch der Börsenkurs kräftig anzog, im Jahresvergleich um gut 49%. Der Wert einer Aktie stieg damit von 42 auf 68 Euro. Der DAX-Gewinner Fresenius profitiert vom demagogischen Wandel in den Industrieländern sowie von der zunehmenden Kaufkraft und der damit verbundenen Nachfrage nach hochwertigen Gesundheitsleistungen in den Schwellenländern.

DAX-Verlierer

Für Banker war das Jahr 2015 anstrengend. Sowohl die Papiere der Deutschen Bank (-14 %) als auch die der Commerzbank (-19%) verloren beträchtlich an Wert. Ursächlich waren neben einer verhaltenen Entwicklung des Kerngeschäfts auch die regelmäßigen Schlagzeilen über Compliance-Verstöße und daraus resultierende Bußgeldzahlungen. Besonders schwer gebeutelt wurden außerdem die beiden Energieriesen E.ON und RWE, deren Aktien 40 bzw. 60 Prozent des Vorjahreswertes einbüßten. Regulatorische Auflagen, der Ausbau der erneuerbaren Energien und die Anhaltende Umstrukturierung des Konzerns vermiesten die Geschäfte. Damit schnitten die beiden Versorgungsunternehmen sogar noch schlechter ab als VW, dem der Skandal um geschönte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen zusetzte. Die Vorzugsaktie des Automobilherstellers verlor im Vergleich zum Vorjahr fast 30% ihres Wertes.

Die großen DAX-Gewinner des Jahres 2015 profitierten von Faktoren, die auch im kommenden Jahr noch greifen. Hier ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Anhalten des positiven Trends zu erwarten. Ebenso sicher ist, das VW-Anleger einen langen Atem benötigen und Großbanken immer für eine Überraschung gut sind.

 

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