Die Amerikanische Finanzwirtschaft mit Donald Trump

Unsicherheitsfaktor Donald TrumpFoto ©Bigstock

Donald Trump hat die Präsidentschaftswahl in den USA gewonnen, daran werden auch die jetzt angekündigten Neuauszählungen in einigen Bundesstaaten wohl nichts ändern. Auch für die Märkte und die amerikanische und weltweite Finanzwirtschaft war der Sieg des Populisten ein Paukenschlag. Jetzt gilt es zu analysieren, was unter der neuen Präsidentschaft zu erwarten ist und wie auf diese Herausforderung am besten reagiert werden soll. Die Wahl von Donald Trump hat die Märkte zunächst einmal zittern lassen, doch viele Analysten sind der Meinung, dass auch hier nichts so heiß gegessen wie gekocht wird. Verhaltener Optimismus macht sich breit und die Zukunft wird zeigen, ob dieser auch berechtigt ist.

Die Angst vor einer neuen Finanzkrise greift um sich

Wenn der neue US Präsident auch nur einige seiner angekündigten Vorhaben tatsächlich umsetzt, wird das langfristig zu höheren Zinsen und wahrscheinlich auch zu einer Inflation führen. Mit Spannung wird auch die Antrittsrede erwartet, in der Donald Trump wohl verlässliche Eckpunkte seiner neuen Regierungspolitik verlautbaren lässt. Der erste Schock scheint in weiten Teilen der amerikanischen Finanzwirtschaft noch nicht überwunden, denn sowohl die Renditen verschiedener Anleihen als auch verschiedene Aktienkurse befinden sich immer noch im Sinkflug. Gleichzeitig legte der Goldpreis zu. Das alles macht die Anleger nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa und weltweit ziemlich nervös, sogar die Angst vor einer möglichen nächsten weltweiten Finanzkrise ist vielerorts spürbar.

Mit der neuen Präsidentschaft sind ökonomische Überraschungen wahrscheinlich

Richtung und Stimmung an den Börsen haben sich aber vergleichsweise schnell nach der Wahl auch wieder gedreht. Denn das Programm des neuen US Präsidenten bietet durchaus auch wachstumsträchtige Elemente, von denen die Anleger hoffen, dass diese sich langfristig durchsetzen mögen. Dabei handelt es sich insbesondere um Regierungsprogramme gegen feindliche Elemente in Wirtschaft und Handel.

Dennoch wird das Programm insgesamt immer noch als recht widersprüchlich und unausgegoren empfunden. Nicht nur für die amerikanische Finanzwirtschaft ist Donald Trump eine unkalkulierbare Blackbox. Die wahrscheinlich größte Überraschung aus ökonomischer Sicht ist es, dass ausgerechnet ein US Präsident Donald Trump das Ende der extrem niedrigen Preissteigerungsraten und der damit verbundenen extremen Niedrigzinsen einläuten könnte.

Die Zinspolitik könnte unter dem neuen US Präsidenten in eine neue Ära treten

Es ist davon auszugehen, dass der neugewählte US Präsident Konjunkturimpulse setzen wird, welche die amerikanische Wirtschaft schnell zum Überhitzen bringen könnten. Durch diese wohl unnötigen und auch übertriebenen Impulse dürften die Preise wieder erheblich zulegen. In der Folge wird die amerikanischen Notenbank ihre Zinspolitik neu ausrichten müssen, indem sie die Zinsen deutlicher und auch schneller anhebt als zunächst geplant.

Nach nunmehr 30 Jahren fallender Zinsen könnte also die Präsidentschaft von Donald Trump erstmals bedeuten, dass es zu einer Wende an den Anleihemärkten kommen wird. Dass diese Spekulationen derzeit den Handel treiben, lässt sich nicht von der Hand weisen und ist mehr als verständlich. Auch an diesem Beispiel lässt sich ablesen, dass die ökonomischen Konsequenzen der neuen Präsidentschaft nur schwer abzuschätzen sind, selbst von Fachleuten.

Die befürchteten Wirtschaftsveränderungen treffen vor allem langfristige Prozesse

Wie entwickelt sich der Euro im Vergleich zum Dollar? Eine von vielen Unsicherheiten post Trump

Wie entwickelt sich der Euro im Vergleich zum Dollar? Eine von vielen Unsicherheiten post Trump

Doch diese Prozesse lassen sich nicht nur alleine an der Person Trump festmachen. Denn wer sich sein Programm näher anschaut, wird feststellen, dass auch dieses voller Widersprüche steckt. Neben unternehmerfreundlichen und durchaus liberalen Elemente enthält das Programm direkt daneben beispielsweise Forderungen nach Handelseinschränkungen, welche so ganz und gar nicht zu einer liberalen Marktwirtschaft passen wollen.

Schauen Analysten in die nahe Zukunft, so gehen diese trotzdem davon aus, dass für die Weltwirtschaft jedenfalls nicht mit kurzfristigen Verwerfungen zu rechnen sein wird. Dieser Optimismus ist zwar vorhanden, langfristig gesehen jedoch werden weltweit eher negative Folgen erwartet, nämlich durch die zunehmende Verschuldung in den USA. Die Staatsausgaben für Infrastruktur oder Militär werden durch einen US Präsidenten Trump aller Voraussicht nach deutlich gesteigert werden. Europa wird es zu spüren bekommen, wenn Zinsen und Inflation in den Vereinigten Staaten von Amerika nach oben gehen.

Trump wird alles daran setzen, das US Wachstum auch langfristig anzukurbeln

Steigende US Zinsen werden zur Folge haben, dass in der Eurozone hoch verschuldete Länder unter Druck geraten. Ein Symptom dafür ist, dass sich seit der US Präsidentschaftswahl Kosten für italienische Staatskredite schon wieder verteuert haben. Donald Trump hat bereits mehrfach verlautbart, dass er darauf setzt, Kapital die USA zu locken. Dadurch wird der Dollar aufgewertet, was in vielen Weltregionen ebenfalls mit Skepsis registriert wird. Trump geht es darum, die Unternehmensbesteuerung nachhaltig zu senken und das Wachstum seines Landes nicht bloß kurzfristig anzukurbeln. Für Großkonzerne wie Apple oder Google wäre eine solche Politik durchaus attraktiv, gebunkerte Milliardengewinne aus dem Ausland wieder nach Hause zu holen. Das wäre gemeinsam mit höheren Zinsen eine perfekte Mischung, um den Dollar wieder erstarken zu lassen.

Amerika wieder groß machen, bedeutet wohl auch das Erstarken des Nationalstaats

Unternehmen haben sich jedoch in vielen Schwellenländern hoch in Dollar verschuldet. Wird der Dollar, wie unter einer US Präsidentschaft von Donald Trump vorhersehbar, deutlich teurer, dann schwellen deren Kreditverpflichtung in der heimischen Währung bedrohlich an. Auf den Philippinen, in der Türkei oder auch in Mexiko befürchten viele Menschen, dass der größte Preis nicht von Trump`s Anhängern in Ohio oder Florida bezahlt wird, sondern eben von den Menschen in den Schwellenländern.

Darüber hinaus gilt die Sorge der Finanzwirtschaft aber auch der Tatsache, dass die Wahl des neuen US Präsidenten einen neuen Rückzug ins Nationale auslöst. So hat Donald Trump bereits während des Wahlkampfes immer wieder deutlich gemacht, dass ihm sämtliche Freihandelsabkommen ein Dorn im Auge sind. Den Chinesen drohte er mehrfach mit Zöllen auf Einfuhrgüter. All dies steht für einen Rückfall in Protektionismus, für Abschottung und für den Bau neuer Grenzen. Arbeitnehmern mit kleinem oder mittleren Einkommen werden Mauern an den Grenzen aber voraussichtlich viel mehr schaden als nutzen.

 

Bildquelle: bigstock-ID-100778915 by andykatz

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