Die Angleichung vom Dollar an den Euro

Der Euro ist momentan noch stärker als der Dollar (Quelle: Bigstock-ID-3059289-by-Eraxion)Foto ©Bigstock

Spätestens seit der weltweiten Finanzkrise nach 2008, kommt man kaum einen Tag ohne neue Nachrichten über einen schwachen Euro, stagnierende Wirtschaft in Mitgliedstaaten und ähnliche News aus. Aktuell ist vor allem das Thema der Angleichung des Dollars an den Euro, auch Parität genannt. Doch welche Auswirkungen hätte eine solche Angleichung und wie entsteht sie überhaupt?

Was bedeutet Parität?

Unter einer Parität zwischen zwei Währungen versteht man schlicht einen Wechselkurs von 1:1. In diesem Fall sind also beide Währungen gleich stark bewertet und man würde im Fall des Eintausches von Euro in Dollar für einen Euro einen US-Dollar erhalten. Aktuell notiert der Euro noch etwas stärker bei 1,05-1,08. Man würde also für einen Euro etwas mehr Dollar erhalten.
Dieser Wechselkurs wird allerdings nicht von unabhängiger Stelle festgelegt, sondern am Kapitalmarkt ermittelt. Das Ergebnis dieses Vorgangs hängt davon ab, ob Anleger und Spekulanten eine Währung, also zum Beispiel entweder Dollar oder Euro, in größerem Maße nachfragen als eine andere. Maßgeblich für eine solche Entwicklung sind zwei Faktoren: wirtschaftliche Daten der jeweiligen Währungszone und die Stimmung unter den Marktteilnehmern. Strauchelt also die Wirtschaft in der Eurozone und ist die amerikanische, wie aktuell der Fall, besonders stark, dann spricht dies dafür, dass der Großteil der Anleger dazu neigt den Dollar zu bevorzugen. Unterstützt wird eine solche Entwicklung noch von negativen Nachrichten. Einen solchen Trend aufzuhalten ist für Zentralbanken äußerst schwer und auch nicht in jedem Fall sinnvoll, denn eine Angleichung von Dollar und Euro könnte für Wirtschaft und Verbraucher durchaus positive Auswirkungen haben. Unter Experten tobt deswegen aktuell ein Streit darüber, in welche Richtung sich der Euro entwickeln wird und welche Auswirkungen eine Schwäche der Währungsgemeinschaft haben kann.

Die Meinungen von Fachleuten spalten sich daher in zwei Lager

  • Lager 1: Dollar und Euro gleichen sich an
    In der Tat, aktuell spricht nicht viel dafür, dass der Euro in absehbarer Zukunft an Stärke gewinnt. Zu schlecht sind dafür die Nachrichten und Wirtschaftsdaten. Vor allem die südlichen Staaten Italien, Spanien und Portugal erholen sich langsamer, als erwartet und das größte Sorgenkind Griechenland wartet fast täglich mit neuen Negativmeldungen auf. Doch so paradox es erscheinen mag: ein schwacher Euro hilft vor allem diesen Ländern. Denn ein schwacher Euro stärkt den Export in solche Länder, die in Dollar zahlen und lädt zudem dazu ein die Eurozone zu besuchen. Für amerikanische Touristen ist es natürlich günstiger, wenn sie für einen Dollar auch einen Gegenwert von einem Euro bekommen und nicht noch draufzahlen müssen. Doch bislang hat die Schwäche des Euro keinem dieser Länder besonders geholfen. Die Abwertung der Gemeinschaftswährung führte also zu keinen positiven Impulsen auf die schwächelnden Wirtschaften der Länder und dies verstärkt nun wieder den Effekt, der den Euro nahe an die Parität treibt. Zudem schwebt noch immer der sogenannte „Grexit“, also der Ausstiegs Griechenlands aus der Währungsunion, über allen Diskussionen und erschwert eine Stabilisierung. Also stehen alle Zeichen auf den 1:1-Wechselkurs?

 

  • Lager 2: Der Euro bleibt stärker als der Dollar
    Durchgehend schlechte Aussichten also, wie soll da etwas für einen stärkeren Euro sprechen? Die Entwicklung der größten Sorgenkinder der Währungszone gibt zumindest Anlass zur Hoffnung. Portugal, Spanien und vor allem auch Frankreich, als zweitgrößte Wirtschaftszone in Europa nach Deutschland, können Erfolge vorweisen. Zwar kleine, aber immerhin. Eine niedrigere Arbeitslosigkeit und leichtes Wirtschaftswachstum in diesen Ländern lassen einige Experten aufatmen. Es bleibt zwar fraglich, ob diese Daten den Euro dauerhaft stabilisieren können, aber es erscheint zumindest nicht unmöglich, dass der Euro zumindest leicht stärker bleibt als der Dollar. Kurios: kürzlich verabschiedete die Europäische Zentralbank ein Programm zum Ankauf von Staatsanleihen. Dies könnte gerade den Ländern helfen, die momentan noch am stärksten unter den Folgen der Wirtschaftskrise leiden. Zudem würde der Wechselkurs wohl zunächst niedrig bleiben, ebenso wie die Zinsen. Wenn Staaten wie Spanien und Frankreich dies nutzen, um Investitionen zu tätigen und damit ein Wirtschaftswachstum generieren, dann könnte ein kurzfristig schwacher Euro im Endeffekt sogar dazu führen, dass der Wechselkurs wieder steigt. Voraussetzung hierfür wäre allerdings, dass sich diese Staaten tatsächlich stabilisieren und keine weiteren belastenden Nachrichten aufkommen. Sollte Griechenland etwa tatsächlich aus der Währungsunion aussteigen, hätte dies wirtschaftlich gesehen zwar nur einen geringen Einfluss auf die gesamte Wirtschaftszone, psychologisch wäre ein solcher Schritt für einen starken Euro jedoch verheerend. Dies liegt vor allem daran, dass Marktteilnehmer eine Kettenreaktion befürchten könnten und sich die Frage stellen, welche Länder ebenfalls über einen Austritt nachdenken.

Was bedeutet dies alles für den Konsumenten?

Doch noch wichtiger, als zu verstehen, welche Gründe welche Entwicklungen haben, ist für die Wirtschaft und insbesondere Verbraucher die Frage danach, welche Folgen eine mögliche Parität auf sie haben kann: Die Wirtschaft könnte von dieser Entwicklung profitieren. Nicht nur, dass der Export in die USA gestärkt würde, was vor allem die Automobilindustrie freuen dürfte, auch die Zinsen sollten zunächst auf niedrigem Niveau verharren. Dies ist vor allem deswegen der Fall, weil sich ein schwacher Euro momentan ganz entschieden aus dem Vorgehen der EZB ergibt und diese hat aktuell kein Interesse daran die Zinsen steigen zu lassen. Investitionen sind für die Wirtschaft also deutlich günstiger. Aber auch Privatpersonen können von diesem Effekt profitieren. Kredite sind aktuell so günstig, wie lange nicht und laden dazu ein sich bei den Banken Geld zu leihen, etwa um ein Haus zu bauen oder größere Anschaffungen vorzunehmen. Die Schattenseite der Parität zwischen Euro und Dollar: Reisen in die USA oder Einkäufe, etwa über das Internet, werden für den Konsumenten teurer. Bekam man vor einigen Jahren noch über 1,30 Dollar für einen Euro und konnte so günstig in den USA shoppen, so könnten diese Zeiten der großen Sparpotenziale schon bald vorüber sein. Gerade Onlineshops, die Produkte aus den USA anbieten, werden dann zu spüren bekommen, dass Konsumenten lieber vor Ort einkaufen.

Die Angleichung der beiden Währungen ist also nicht grundsätzlich negativ oder positiv. Für Bürger der EU würde sie allerdings dazu führen, dass Einkäufe in den USA kaum noch lohnenswert sind. Möglicherweise wird der Umstand, dass mehr und mehr Menschen ihr Geld heimatnah ausgeben, aber ja sogar zur Chance für eine stärkere europäische Wirtschaft.

 

Bildquelle: Eraxion/Bigstock.com

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