Die Steuerparadiese in Europa

Steuerparadiese gibt es auch in Europa (Quelle: Bigstock-ID-5155938-by-gunnar3000)Foto ©Bigstock

Steuerparadiese sind Zufluchtsorte mit nur geringen Steuern in den Bereichen Einkommen oder Geldanlage. Teilweise müssen in den sogenannten Steueroasen, wie aktuell in Panama (Stichwort Panama Papers) auch überhaupt keine Steuern auf Kapitalvermögen oder Einkommen entrichtet werden. Deshalb sind Steueroasen besonders bei denen beliebt, die über hohe Einkünfte, Kapital oder Vermögen verfügen, welches in Deutschland einer vergleichsweise hohen Besteuerung unterliegt. Steuerparadiese gibt es auch in Europa und es sind nicht nur Privatpersonen, welche die steuerlichen Vorteile dort legal nutzen, auch viele Unternehmen profitieren von den Vorteilen. Ein Missbrauch der Steuervorteile findet beispielsweise aber dann statt, wenn ein Unternehmersitz nur zum Schein existiert, um sich Steuervorteile zu sichern. Durch die sogenannte Steuerflucht gehen dem Staat jedes Jahr Milliarden an nicht gezahlten Steuern verloren.

Auch in Europa gibt es zahlreiche Steueroasen

Reiche finden Zufluchtsorte für ihre Vermögen nach wie vor auch in Europa, es muss also nicht immer die Karibik sein. Wer sein Kapital vor dem Steuerzugriff des Finanzamtes schützen möchte, findet auf jedem Kontinent entsprechende Zufluchtsmöglichkeiten. Weltweit gelten derzeit etwa 100 Länder als echte Steueroasen, als Klassiker unter den Steuerparadiesen gelten auch weiterhin zum Beispiel:

  • Die Bermudas,
  • Die Bahamas
  • Die Cayman Islands

Doch auch in Europa ist die Auswahl an Steueroasen groß. So gibt es beispielsweise im Fürstentum Andorra keine direkte Besteuerung. Weder von sogenannten juristischen noch natürlichen Personen werden Grund-, Erbschafts-, Kapitalertrags-, oder Körperschaftsteuern erhoben.

Andorra und die Kanalinseln als europäische Steueroasen

Es existieren in Andorra lediglich indirekte Abgaben auf Versicherungsprämien, Bankeinlagen oder Hotelkosten. Andorra verlangt den Bewohnern lediglich eine Wohnsteuer ab, diese liegt aber lediglich bei maximal 80 Euro im Jahr. Andorra hat das Bankgeheimnis im Zuge des OECD-Informationsabkommens seit dem Jahre 2010 weitgehend preisgegeben. Auch die Kanalinseln Sark, Alderney, Guernsey und Jersey gelten wegen ihrer geringen Steuern als Steueroasen, besonders für Unternehmen. Mittlerweile haben sich mehr als 40.000 Gesellschaften auf den Kanalinseln niedergelassen. Immerhin tragen diese mit über der Hälfte zum Bruttoinlandsprodukt bei.

Nachbarstaat Österreich – die europäische Steuernische

Die Situation scheint im ländlich gelegenen Salk mit seinen etwa 500 Einwohnern besonders extrem zu sein. Salk als Insel ist auf dem Papier ein gewaltiges internationales Unternehmerzentrum. Mehr als 15.000 Unternehmen geben einen der Einwohner von Salk als ihren Geschäftsführer an, inoffizielle Schätzungen gehen sogar von 100.000 Unternehmen aus. Die gesetzlichen Regelungen im Steuerrecht wurden allerdings in den letzten Jahren verschärft. Auch wer in der unmittelbarer Nachbarschaft Deutschlands nach Steueroasen sucht, muss nicht lange suchen, denn Österreich bietet für vermögende Privatpersonen und Unternehmen angenehme steuerliche Nischen. Die Republik Österreich hat die Vermögenssteuer ganz abgeschafft, für Kapitalerträge wird eine Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent erhoben.

Ein Wohnsitz in Monaco kann mit enormen Steuervorteilen verbunden sein

Mit dieser Abgeltungssteuer gilt in Österreich auch die Erbschaftssteuer als abgegolten. Ganz legal lässt sich die Steuerlast in Österreich auch durch die Gründung einer Privatstiftung mindern. Da Veräußerungsgewinne und Dividenden ab einer Beteiligung von 10 Prozent von der Steuer befreit sind, gilt die Alpenrepublik als gefragter Holdingstandort. Wer nach europäischen Steuerparadiesen sucht, trifft früher oder später auf Monaco. Ganz legal über Nullbesteuerung kann sich freuen, wer einen Wohnsitz im Fürstentum sein Eigen nennt und sich darüber hinaus im Jahresverlauf mindestens 180 Tage dort aufhält. Der Nullsteuersatz gilt sowohl für das Einkommen als auch für Vermögen. Monaco erhebt lediglich eine Erbschaftsteuer, die allerdings abhängig ist vom jeweiligen Verwandtschaftsgrad. Denn direkte Nachkommen und Ehepartner zahlen nichts, erben Drittpersonen, so wird in Monaco eine Erbschaftssteuer von 16 Prozent erhoben.

Bulgarien und Gibraltar als europäische Steuerparadiese

Kaum jemand denkt an Bulgarien, wenn es um Steuerparadiese geht, doch das Land weist nur ein geringes Defizit auf und hat kaum Schulden. Anleger, die niedrige Steuern zahlen möchten, müssen auch kein Rettungspaket fürchten. Körperschafts- und Einkommenssteuern betragen in Bulgarien jeweils 10 Prozent und sind damit für Steuersparer sehr verlockend. Wer über größere Vermögen verfügt, könnte von einem Steuerwohnsitz in Gibraltar profitieren. Gibraltar bietet Anlegern ganz legal einen sogenannten High-Network-Individual-Tax-Status an. Auf Einkommen fallen so unter bestimmten Bedingungen keine Steuern mehr an. Diese Regelung betrifft allerdings nur Besitzer, deren Vermögen über 2 Millionen Dollar beträgt. Es ist lediglich eine jährliche Steuerpauschale zwischen 14.000 und 20.000 Pfund abzuführen. Alles, was Gibraltar dafür verlangt, ist ein Aufenthalt von mindestens 30 Tagen jährlich, der Gesamtnachweis des Vermögens sowie ein gekaufter oder gemieteter Wohnsitz.

Wer eine Steueroase nutzt, sollte Wert auf Legalität legen

Es gibt also auch mitten in Europa Steuerparadiese, die weiterhin gedeihen, auch wenn die jeweiligen Regierungen gegen das zum Teil schlechte Image als Steueroase ankämpfen. Doch oftmals sind die Steuerregelungen eben zum gegenseitigen Nutzen. Experten gehen davon aus, dass mindestens 13 Prozent des weltweiten Geldes in Luxemburg lagert. Das Großherzogtum buhlte in der Vergangenheit offensiv mit steuerlichen Lockangeboten. Auch Malta, Zypern oder Irland können durch attraktive Steuersätze für Anleger sehr attraktiv sein. Die Niederlande macht sich für Holdings interessant und Belgien lockt mit der Möglichkeit, sein Eigenkapital durch einen fiktiven Zinssatz zu belasten, um auf diese Weise die Steuerlast zu senken. Der Begriff Steueroase ist umgangssprachlich und hat immer einen gewissen negativen Beigeschmack, dabei lassen sich die vielen Steuervorteile für Unternehmer und Privatpersonen völlig legal nutzen. Im internationalen Finanzkontext gelten Steueroasen dann als problematisch, wenn der faire Wettbewerb dadurch bedroht erscheint. Steuerflucht ist allerdings kein bundesdeutsches, sondern ein weltweites Phänomen.

 

Bildquelle: Bigstock-ID: 5155938 by gunnar3000

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