Eigenheim oder Miete – eine Bilanz

Der Traum vom Eigenheim steht auch für finanzielle UnabhängigkeitFoto ©Bigstock
Die Mietkosten waren in den letzten Jahren ein intensiv diskutiertes Thema in den Medien. Steigende Mieten, besonders in den Großstädten, und sinkende Zinsen bei Darlehen haben die Frage aufgeworfen, ob es sich überhaupt noch lohnt, auf Miete zu wohnen. Stattdessen könnte die momentane Situation bei den Krediten dazu einladen, sich ein Eigenheim zu bauen oder eine Eigentumswohnung zu kaufen. So einfach, wie es in mancher Diskussion dargestellt wurde, ist es aber noch immer nicht. Es gibt viele Faktoren die die Entscheidung beeinflussen und die zu Rate zu ziehen sind, wenn man sich entscheidet. Nicht für jede Gruppe lohnt sich das Eigenheim. Auch nicht bei hohen Mieten.

 Was spricht für, was gegen ein Eigenheim?

Das Eigenheim ist noch immer der Traum von vielen Deutschen. Nicht umsonst galt das Land über Jahre als die Nation der Bausparer, in der sich die Menschen spätestens mit der Gründung der eigenen Familie den Wunsch nach einem eigenen Haus oder einer eigenen Wohnung erfüllten. So sehr sich das viele Menschen auch heute noch wünschen, so problematisch ist die Situation auch geworden. Die Grundstückspreise in den Vorstädten sind sehr teuer geworden und über viele Jahre waren die Zinsen auf einem Niveau, die einen langfristigen Kredit zu einem beinahe unbezahlbaren Luxus gemacht haben. Heute ist die Situation umgekehrt. Die Zinsen bei den Banken sind niedrig und dafür sind die Kosten für die Miete in vielen Städten beinahe unkontrollierbar in die Höhe gestiegen.

Mit dem Eigenheim gibt es noch immer eine Form der Anlage, die ihre vergleichbaren Alternativen sucht. Immobilien sind immer eine Menge Geld wert und gerade in den Speckgürteln der Metropolen dürften die Preise auch in den nächsten Jahren erheblich steigen. Mit der derzeitigen Lage bei den Zinsen ist es zudem günstig, sich entweder ein Haus zu kaufen oder eine neue Immobilie zu bauen. Selbst bei einer Veränderung des Zinsniveaus in der mittelfristigen Zukunft dürften die Raten für ein Haus noch für einige Zeit günstiger als die vergleichbaren Kosten für die Miete sein.

Auf der anderen Seite ist es natürlich eine langfristige Verpflichtung. Das Eigenheim ist über mindestens 30 Jahre – zumindest in der Regel – eine dauerhafte finanzielle Belastung. Bei steigenden Zinsen könnte die Anschlussfinanzierung zudem ein teurer Spaß werden. Außerdem raubt sich der Bauherr natürlich seine Flexibilität. Ein Umzug in eine andere Stadt ist nicht mehr ohne Probleme möglich. Die Bindung ist also der größte Nachteil an einem Eigenheim.

Was sind die finanziellen Vorteile der eigenen Immobilie?

Die finanziellen Vorteile orientieren sich an den momentanen Zinsen. Sind sie auf dem derzeitigen, sehr niedrigem, Niveau, sind die Kosten für die monatlichen Raten natürlich gering. Das kann sich allerdings ändern und spätestens bei der Anschlussfinanzierung würden auch die Kosten steigen. Allerdings ist bei steigenden Mieten anzunehmen, dass auch die Kosten in einem anderen Modell über die nächsten Jahre deutlich steigen würden. Auch die Ersparnisse bei den Steuern sollten bei der langfristigen Planung natürlich berücksichtigt werden. Zudem ist die eigene Immobilie noch immer ein wichtiger Faktor für die Planung der Rente. Nicht vorhandene Mietkosten steigern das Lebensniveau nach vielen Jahren der Arbeit und geben eine finanzielle Sicherheit, die eine Mietwohnung in keinem Fall bieten kann.

Der Traum von den eigenen 4 Wänden ist für viele Mieter der Schritt in die Unabhängigkeit

Der Traum von den eigenen 4 Wänden ist für viele Mieter der Schritt in die Unabhängigkeit

Ersetzt das Eigenheim die Rente?

Natürlich ersetzen die eigenen vier Wände die Rente aber nicht vollkommen. Auch weiterhin werden private Altersvorsorge und eine möglichst hohe Rente empfohlen. Allerdings ist es tatsächlich so, dass man nicht unterschätzen sollte, wie viel Sicherheit ein eigenes Heim nach vielen Jahren der Arbeit mit sich bringt. Bis dahin werden die Renten mit Sicherheit weiter gestiegen sein und die Raten für das eigene Haus sind abbezahlt. Wer sogar mit dem Gedanken spielt, sich im Alter in einem anderen Land niederzulassen, hat mit der eigenen Immobilie eine gute Option für den Verkauf. Der Lebensabend wird durch ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung also erheblich erleichtert.

Für welche Zielgruppen ist welches Modell besser?

Nicht nur die Finanzen sollten eine Rolle bei der Frage spielen, ob man sich für ein eigenes Haus oder eine Mietwohnung entscheidet. Es geht dabei auch um die Frage der eigenen Lebenssituation. Während das Eigenheim eine langfristige Planung und gewisse finanzielle Sicherheit bei der Planung verspricht, sorgt das Modell der Wohnung zur Miete auch weiterhin dafür, dass man als Familie flexibel bleibt oder das die Menschen die Möglichkeit haben, bei Bedarf die Stadt oder sogar das Land zu wechseln.

Wer sich gerade in der Gründung einer Familie befindet, beim Job eine gewisse Sicherheit hat und daher sesshaft werden möchte, wird vermutlich mit dem Modell der eigenen vier Wände mit der Hilfe eines Darlehens die bessere Wahl treffen. Da es hier vor allem um eine langfristige Planung geht und die nötigen Darlehen ebenfalls für viele Jahre beantragt werden müssen, sind die Umstände genau passend für eine solche Lebenssituation. Wer eher flexibel bleiben muss oder möchte, sich noch in der Aufbauphase einer Familie befindet oder einfach noch nicht bereit dafür ist, sesshaft zu werden, wird unter Umständen auch mit den guten Konditionen für das eigene Haus am Ende nicht zufrieden werden.

Umgekehrt ist die Situation bei der Miete. Durch die nicht transparenten Kosten und Steigerungen bei den Mieten werden Familien langfristig finanzielle Nachteile haben. Menschen mit Bedarf für eine gewisse Flexibilität profitieren aber dadurch, dass sie sich nicht langfristig an ein Objekt binden, sondern die Möglichkeit haben, bei Bedarf die Wohnung wieder zu wechseln.

Welches Modell ist bei niedrigen Zinsen finanziell besser?

Es sind vor allem die niedrigen Zinsen, die die Diskussion wieder befeuern. Im Zuge der Finanzkrise in Europa sind die Zinsen so tief wie noch nie. Das bedeutet, dass man vor allem bei einem langfristigen Darlehen mit einer Mietpreisbindung von den Entwicklungen profitiert. Wer also ohnehin mit dem Gedanken das eigene Heim gespielt hat, sollte bei einer Situation mit niedrigen Zinsen die Angebote genau prüfen. Neben den Zinssätzen sollte dabei aber vor allem auf eine langfristige Bindung an diesen Zinssatz geachtet werden.

Bildquelle:

Bigstoock

 

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