Finanzgeschäfte im Darknet

DarknetFoto ©Bigstock

Spätestens durch ISIS und durch verschiedenste Terroranschläge und Amokläufe in den letzten Jahren ist das sogenannte Darknet in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Die zweite Ebene des Internets, die einen besonderen Ruf für kriminelle Aktivitäten hat, ist Bestandteil vieler Ermittlungen und Recherchen rund um Drogen- und Waffenhandel. Kaum Beachtung findet in den Artikeln aber bisher, dass sich auf dieser dunklen Seite des Internets eine Möglichkeit etabliert hat, verschiedenste Finanzgeschäfte auszuführen. Vom lange geplanten Betrug bis zum Umsatz mit Schwarzgeld und Geldwäsche ist im Darknet vieles möglich. Wie genau laufen die dubiosen Finanzgeschäfte in den dunklen Ecken des World Wide Web?

Was ist das Darknet und wofür steht es?

Den meisten Usern im Internet ist eigentlich nur die sichtbare Ebene Welt der Suchmaschinen bekannt. Die Webseiten, die gerne gefunden werden möchten und deren Inhalte jedem auf eine sehr einfache Weise zugänglich sein sollen. Tatsächlich handelt es sich dabei nach der Meinung von Forschern um gerade einmal 10 Prozent der Seiten im Internet, die vorhanden sind. Neben toten Links und verschiedenen internen Webseiten, die nicht in den Suchmaschinen gefunden werden, gibt es auch noch die sogenannte Darknet-Verbindung.

Möchte man es auf eine grafische Weise darstellen, handelt es sich um einen versteckten Teil, der nicht durch die Suchmaschinen oder andere Kataloge zu erreichen ist. Sie nutzen auch nicht die klassischen Protokolle wie HTTP oder die Programmierung dieser Art. Es handelt sich um einen Mikrokosmos, der sich den Besuchern und somit auch den meisten Behörden entzieht.

Um das Darknet zu betreten ist ein Einstiegslink erforderlich. Da die Webseiten nicht einfach über die Suchmaschinen gefunden werden können, müssen Nutzer, die das Darknet betreten möchten, einen Link zu einem Portal haben. Von hier an bewegt man sich durch direkte Verlinkungen auf den entsprechenden Webseiten weiter. Die meisten Nutzer aktivieren vor dem Zugang zudem noch das sogenannte TOR-Netzwerk. Damit bleiben ihre eigenen Bewegungen im DarkNet anonym und sie sind auch von den entsprechenden Personen, die die Webseiten betreiben nicht einfach so zu finden.

Die Inhalte des DarkNet sind völlig unterschiedlicher Natur. Es gibt Foren, die sich mit Verschwörungstheorien oder der Tagespolitik beschäftigen, aber auch Communitys über den Anbau von Drogen. Besonders in die Schlagzeilen ist aber der Bereich getreten, der sich gegen die Gesetze stellt. Auf den Marktplätzen können Drogen gekauft werden, Waffen werden gehandelt und sogar Auftragsmorde können in verschiedenen Bereichen in Anspruch genommen werden. Auch die Kinderpornographie spielt dabei eine besondere Rolle. Natürlich möchten Konsumenten solcher Waren und Leistungen nicht mit ihren echten Konten arbeiten. Daher hat sich im DarkNet eine Form der Parallelwährung entwickelt, mit denen die Waren und Leistungen bezahlt werden. Inzwischen glaubt man, dass auf diese Weise ein Geschäft mit mehreren hundert Millionen Dollar Umsatz entstanden ist.

Wie laufen Finanzgeschäfte im dunklen Teil des Internet ab?

Um die Waren und Leistungen zu bezahlen, die an den verschiedenen Orten des DarkNet zur Verfügung gestellt werden, wird nicht auf eine typische Überweisung oder Lastschrift gesetzt. Diese Dinge würden sich einfach durch die Konten nachvollziehen lassen, was den anonymen Effekt in diesem Bereich des Internets wieder aufheben würde. Stattdessen haben Kunden und Verkäufer in den letzten Jahren verschiedene andere Methoden entwickelt, um ihre Waren zu bezahlen. Sowohl Kryptowährungen als auch anonyme Verfahren für den Austausch von Geldern werden genutzt. Einige Beispiele:

  • BitCoin: Die verschlüsselte Währung BitCoin ist aufgrund ihrer anonymen Natur für lange Zeit eines der beliebtesten Mittel für die Zahlung geworden. Durch Betrugsfälle in der Vergangenheit ist dieser Trend jedoch rückläufig.
  • uCash und Co.: Währungen, die zum Beispiel an Tankstellen anonym erworben werden, werden ebenfalls gerne eingesetzt. Die entsprechenden Codes können übermittelt werden und eine Auszahlung überall in der Welt ist möglich.
  • Gehackte Daten: Zuletzt wird die Zahlung auch gerne über gehackte Konten oder Kreditkarten abgewickelt, was natürlich zu Schäden bei dritten Parteien führt.

Mit diesen Methoden bleiben die Teilnehmer des Wirtschaftskreislaufes des DarkNets auch im Fall von kriminellen Aktivitäten in der Regel vollkommen anonym. Nur Unachtsamkeiten beim Austausch können zu einer direkten Identifizierung von Käufern und Verkäufern führen.

Welche Summen werden transferiert?

Wie hoch genau der Einsatz von Waren und Geldern im DarkNet ist, lässt sich bis heute nicht wirklich feststellen. Die Behörden arbeiten schon lange an verschiedenen Werkzeugen und Methoden um den Handel im dunklen Netz nicht nur zu beobachten, sondern wenn möglich bereits vor dem Verkauf zu unterdrücken. Aufgrund der Struktur, die hier vorhanden ist, ist es allerdings für die meisten Strafverfolgungsbehörden nicht einfach so möglich, einen Überblick über den wirklichen Markt zu finden. Das liegt auch daran, dass die meisten Marktplätze tief im Darknet verwoben sind und sich daher selbst dem Zugriff von Insidern der Materie entziehen können.

Ein prominentes Beispiel für einen solchen Marktplatz war Silkroad. Das Portal wurde binnen von wenigen Monaten zum größten Umschlagplatz für Drogen im Internet. Die Verkäufer konnten ähnlich wie bei normalen Shops im Internet aktiv werden. Durch die Bezahlung mit den oben aufgeführten Methoden war es beinahe unmöglich, die Käufer und Verkäufer zu identifizieren. Erst eine Unachtsamkeit der Betreiber hat zur Offenbarung der Netzwerke geführt. Man geht davon aus, dass alleine auf diesem Portal über 100 Millionen Dollar im Jahr umgesetzt worden sind. Entsprechend hoch sind die Summen, von denen man ausgehen muss, dass sie im gesamten DarkNet gehandelt werden.

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Wie können diese illegalen Finanzströme unterbunden werden?

Eine wirkliche Lösung, um den Handel zu unterbinden oder die zuständigen Personen zugreifbar zu machen, wurde bisher nicht gefunden. Da die meisten Nutzer hier anonym unterwegs sind und sich jede Mühe geben, die Daten zu vermeiden, die für eine Identifizierung nötig sind, sind Festnahmen in Verbindung mit dem Handel im DarkNet noch immer eine Seltenheit.

Dass es durchaus möglich ist, sofern die teilnehmenden Personen nicht vorsichtig sind, hat sich zuletzt nach dem Amoklauf in München im Jahr 2016 gezeigt. Dort hat sich der Schütze die Waffen im Internet besorgt und der Verkäufer konnte recht schnell nach den Anschlägen gefunden werden. Auch die Identifizierung der Betreiber von Silkroad war ein Erfolg für das FBI.

Allerdings verschwinden die Marktplätze bei einem Risiko und tauchen einfach an einer anderen Stelle des Webs wieder auf. Solange es also umfassende Verschlüsselungen gibt, muss man auf Zufälle hoffen, damit die entsprechenden Personen gefunden und für ihre kriminellen Aktivitäten verurteilt werden können.

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