Finanzplatz Luxembourg

Luxembourg Finazplatz EuropasFoto ©Bigstock

Im Zuge der Verhandlungen für Steuerparadiese ist auch Luxemburg in den Fokus der Ermittler gerückt. Das kleine Land zwischen Frankreich und Deutschland mag zwar nicht für Einzelpersonen, die Steuern sparen wollen, interessant sein. Unternehmen aus der gesamten Welt haben hier allerdings Niederlassungen in Form von Briefkästen, die dazu führen, dass sie in ihren eigentlichen Heimatländern erheblich weniger Steuern zahlen. Das prominenteste Beispiel dafür ist der Logistik-Riese Amazon. Das Land wird allerdings von der EU immer mehr unter Druck gesetzt und es ist durchaus möglich, dass man sich in den nächsten Jahren an die Gesetzgebungen anpassen möchte, wenn man diplomatische Krisen vermeiden möchte.

Was ist die Besonderheit an Luxemburg?

Es waren die sogenannten Luxemburg-Leaks, die der Öffentlichkeit in der Welt erstmals einen direkten Einblick in die verschiedenen Besonderheiten der Steuern in dem Land gegeben haben. Die Dokumente, die von Whistleblowern veröffentlicht worden sind, haben Bescheide der Steuerämter beinhaltet. Aus diesen ist hervorgegangen, dass verschiedene Konzerne von den staatlichen Behörden mit Modellen versorgt worden sind, die ihnen erheblich Vorteile bei der Körperschaftssteuer geliefert haben. Zu diesem Zweck wurden verschiedene Firmenstrukturen in Luxemburg gegründet, die es im Anschluss ermöglicht haben, dass in den Heimatländern der Konzerne die Steuerzahlungen mitunter auf 1 Prozent der Gewinne gedrückt worden sind.

Dafür, dass Luxemburg eines der kleinsten Länder Europas ist, finden sich hier Niederlassungen von den verschiedensten Konzernen aus der gesamten Welt.

  • Amazon
  • McDonalds
  • Microsoft
  • IKEA
  • Deutsche Bank

sind nur vier Beispiele für große Namen, die in den letzten Jahren neue Niederlassungen in dem Staat eröffnet haben. Der Grund liegt in der allgemeinen Struktur, die hier für Unternehmen geboten wird. Neben einer allgemein sehr geringen Körperschaftssteuer sind es vor allem die Regulierungen für Finanzprodukte aller Art. Ein Investmentfonds, der von einem Unternehmen gesteuert wird, muss zum Beispiel weniger als ein Prozent auf seine Gewinne an Steuern abführen. Damit hat man im europäischen Vergleich eine Sonderstellung.

Ist Luxemburg noch immer ein Steuerparadies?

Nachdem die Dokumente zu einer Aufdeckung der Vorgänge in Luxembourg geführt haben, wurden natürlich Stimmen in Europa laut, die eine Änderung gefordert haben. Besonders die großen Nationen hatten die Befürchtung, dass bei einer Fortsetzung der Praktiken die Steuerlast in den eigenen Ländern weiter sinken wird. Die Person in der Mitte der Aufmerksamkeit war dabei Jean Claude Juncker. Der Präsident der EU-Kommission und ehemalige Ministerpräsident von Luxemburg hatte großen Anteil an der Gestaltung der Gesetze, die zu der finanziellen Lage in dem Land geführt haben. Allerdings wurden wichtige Änderungen blockiert. So ist der derzeitige Stand bei Steuergeschäften:

  • Die Panama Paper hat Informationen veröffentlicht, wonach auch Privatpersonen inzwischen von den laschen Steuergesetzen in Luxembourg profitieren können.
  • Es gibt in Luxembourg weiterhin keine deutlichen Veränderungen an den Gesetzen für die Finanzindustrie. Das macht das Land für Banken und Fonds zu einem Steuerparadies.
  • Kleine Veränderungen am Modell der Körperschaftssteuer haben zwar ihren Weg in das Parlament gemacht, wurden aber bisher noch nicht in die Tat umgesetzt.

In Hinblick auf die anstehenden Veränderungen ist also die Frage, ob Luxembourg seinen Vorteil als Standort für die Finanz- und Dienstleistungsindustrie aufzugeben hat. Besonders unter dem Eindruck der Bedeutung dieser Branchen für die Steuern von Luxembourg darf eine Veränderung ernsthaft angezweifelt werden.

Wie entwickelt sich der Finanzplatz in der Zukunft?

Die entscheidende Veränderung dürfte weniger in den Steuermodellen als viel mehr im oft gepriesenen Bankgeheimnis liegen. Neben der Schweiz musste auch Luxemburg erhebliche Zugeständnisse an die größeren Nationen machen. Damit ist das Land vor allem für private Anleger und Steuervermeider uninteressant geworden. Unter dem Eindruck der veränderten Verhältnisse haben sich viele Banken aus dem Land zurückgezogen oder zumindest das Geschäft mit den Privatkunden zurückgefahren. Das hat dazu geführt, dass viele Menschen nicht mehr in der Branche aktiv sein konnten. Vorher machte der Finanz- und Dienstleistungssektor 40 Prozent der Beschäftigung und der Umsätze in dem Land aus. Das dürfte in den nächsten Jahren sinken.

Allerdings ist man in Luxemburg schon immer kreativ gewesen, wenn es darum ging, neue Branchen für die Steuereinkünfte zu finden. Nach dem Ende der starken Stahlindustrie kam die Dienstleistungsbranche. Nun wird man versuchen besonders von dem Brexit zu profitieren. Auch jetzt ist das Land noch ein interessanter Standort für Banken und für internationale Konzerne. Zudem versucht man im Bereich der modernen Technologien, ganz konkret in der Raumfahrt, aktiv zu werden und sich zu einem europäischen Standort zu entwickeln.

Luxembourg hält die Fahne hoch als Internationaler Standort für Großkonzerne mit Hang zu günstigen Steuermodellen...

Luxembourg hält die Fahne hoch als Internationaler Standort für Großkonzerne mit Hang zu günstigen Steuermodellen…

Wie sieht der Druck der EU auf das Land aus?

Neben den Veränderungen beim Bankgeheimnis geht es der EU in den derzeitigen Verhandlungen mit dem Land vor allem um die Aufarbeitung mit der Vergangenheit. Die Papiere haben eindeutige Hinweise darüber geliefert, wie Unternehmen über Jahre in ihren Heimatländern und in anderen europäischen Ländern mit der Hilfe der Steuerbehörden Milliarden Euro an Steuern hinterzogen haben. Die EU möchte nun einen direkten Einblick in die Aufzeichnungen des Landes. Es geht dabei um Forderungen gegenüber den Unternehmen für die Steuern in den letzten Jahren.

Zudem sind weitere Veränderungen an den strukturellen Modellen gefordert. Die EU will umfassende Veränderungen am Gesetz für die Körperschaftssteuer. Auch das Modell für die privaten Einkünfte soll verändert werden, damit es für die Menschen in Europa nicht mehr so reizvoll ist, sich in Luxembourg versteuern zu lassen. Allerdings sind diese Bemühungen in den letzten Monaten zurückgegangen und gerade mit dem Brexit dürfte es in den kommenden Jahren eher darum gehen, wie die verschiedenen Funktionen von Großbritannien innerhalb der EU durch Luxembourg aufgefangen werden können.

Welche Chancen und Möglichkeiten hat Luxembourg außerhalb des Finanzsektors?

Als relativ kleines Binnenland in Europa sind die Möglichkeiten von Luxembourg natürlich eingeschränkt. Die Rohstoffe wurden bereits vor einiger Zeit abgebaut und die starke Stahlindustrie gehört längst der Vergangenheit an. Der Übergang zu der Finanz- und Dienstleistungsbranche war ein logischer Schritt. Tatsächlich sind die Möglichkeiten aber durch die Entscheidung in Großbritannien wieder gestiegen. Viele Unternehmen aus Übersee werden sich nach einer neuen Heimat umsehen, wenn die Gesetze es nicht mehr erlauben, dass die Geschäfte in London wie gewohnt weitergehen. Auch die Raumfahrt könnte für Luxembourg tatsächlich zu einer schillernden Zukunft führen. Allerdings dürfte die Regulierung langfristig dafür sorgen, dass die Konzerne sich einen anderen Standort suchen werden, der ihnen auch weiterhin ihr Modell für die Ersparnisse von Steuern erlaubt.

Bildquelle: Bigstock

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