Ist die Bankenkrise vorüber?

Ist die Bankenkrise vorrüber?
Die Krise ganz allgemein ist eine schwierige, kritische Situation. Als Krise wird auch der Höhe- oder der Wendepunkt einer gefährlichen Entwicklung bezeichnet. Die Bankenkrise ist eine ganz spezifische Unternehmenskrise. Sie erfasst Kreditinstitute von der untersten, der örtlich-regionalen bis hin zur nationalen und internationalen Ebene. In einer derartigen Krise werden sowohl Stabilität als auch Funktionalität der Banken und Sparkassen stark beeinträchtigt. Jede Bankenkrise hat Auswirkungen im Innen- sowie im Außenverhältnis. Zu denen gehören Liquiditätsprobleme, Bilanzverluste, Wertverluste am Kapitalmarkt sowie Vertrauensschwund bei den Kunden.

Die Kunden haben ihr Geld bei der Bank angelegt, in dem Sinne ihrem Kreditinstitut anvertraut. In der Bankenkrise befürchten sie, weder ihre Einlage zurück- noch Habenzinsen ausgezahlt zu bekommen. Jede Bankenkrise ist einerseits eine individuelle Unternehmenskrise und andererseits eine Systemkrise, die den Bankensektor als Ganzes betrifft. Nachdem in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten weltweit mehrere Bankenkrisen durchlebt, aber auch bewältigt worden sind, stellt sich sowohl für die Banken als auch für deren Kunden die Frage, ob die Bankenkrise als solche tatsächlich vorüber ist.

Bankenkrise bei der Deutschen Bank: Ja oder Nein

Während europaweit auch in der heutigen Zeit durchaus von der Bankenkrise als einer Systemkrise gesprochen werden kann oder geradezu muss, ist das in Deutschland deutlich anders. Stresstests der letzten Jahre haben gezeigt, dass die ganz überwiegende Zahl der deutschen Geldhäuser, wie die Kreditinstitute genannt werden, krisensicher ist. In diesem Zusammenhang muss näher definiert werden, wer von einer möglichen Bankenkrise betroffen wäre. Das soll am aktuellen Beispiel der Deutschen Bank AG verdeutlicht werden. Die größte deutsche Privatbank weist in ihrer aktuellen Bilanz einen mittleren einstelligen Milliardenverlust aus. Das klingt problematisch und wird als eine große, vielfach als größte Bankenkrise der vergangenen Jahrzehnte dargestellt. Tatsächlich handelt es sich dabei um das Ausweisen von Zahlen in der Quartals- beziehungsweise Jahresbilanz, ohne dass dadurch die Liquidität oder die Einnahmeseite beeinträchtigt wird. Der Bilanzverlust ergibt sich ausschließlich aus der Bildung von hohen, notwendigen Rückstellungen. Das ist eine Vorsorge im Hinblick auf zu erwartende Zahlungen in der Zukunft, vergleichbar mit den ähnlich hohen Rückstellungen der Volkswagen AG aufgrund der aktuellen „Abgasaffäre“. Auf die Einnahmen bezogen haben sich bei der Deutschen Bank AG Umsatz und Gewinn kaum, auf keinen Fall aber dramatisch zum Negativen hin verändert. Alles, was in der jetzigen Situation als Krise dargestellt wird, ist „reines Zahlenwerk“.

Die Ausgaben, für die jetzt Rückstellungen gebildet worden sind, werden erst in den kommenden Monaten und Jahren fällig. Wie hoch sie dann sein können und werden, steht zurzeit nicht endgültig fest. So ist es nicht ausgeschlossen, dass die eine oder andere Milliarde EUR übrigbleibt, also nicht gebraucht wird. Dann ist diese Auflösung der Rückstellung ein außerordentlicher Ertrag, der die Bilanz in dem betreffenden Quartal und Wirtschaftsjahr dementsprechend verbessert. Bis dahin sind jedoch die Krisenmaßnahmen auf der Ausgabeseite wie Personalentlassung, bundesweite Schließung von Zweigstellen und sonstige Kosteneinsparungen umgesetzt worden. Die Bankenkrise der Deutschen Bank AG hat bestenfalls zweierlei positive Folgen: Einerseits die einmalige Mehreinnahme aus nichtbenötigten Rückstellungen, andererseits die dauerhafte Ausgabeneinsparung bei Personal und Verwaltung. Dass der Kapitalmarktwert der Deutschen Bank AG temporär schwankt und sinkt, ist das eigentlich und einzig Bedenkliche an der Krise.

Bankenkrise bei der Commerzbank AG: Erfolgreich bewältigt

Was die Deutsche Bank AG jetzt vor sich hat, das hat die Commerzbank AG in ähnlicher Weise hinter sich. Wie es genannt wird, hat sie sich in den vergangenen Jahren konsolidiert. Verluste und Mindereinnahmen wurden durch Minderausgaben ausgeglichen. Ausgabeneinsparungen im Personal- und Verwaltungsbereich sowie die Nutzung von Synergien haben immer eine positive Dauerwirkung. Wenn die Verluste einmal ausgeglichen sind, dann werden daraus, bei unveränderter Einnahme-/Ausgabesituation, Gewinne. Die Gewinnschwelle wird erreicht und überschritten. Das hat die Commerzbank AG jetzt erreicht. Sie hat auf der Einnahmeseite auch schon in der jüngeren Vergangenheit Überschüsse erwirtschaftet, die allerdings durch die Ausgabeseite bilanziell zu einem Minus wurden. Das ist jetzt vorbei. Bei einer unveränderten Einnahme-/Ausgabesituation ist es geradezu garantiert, dass die Commerzbank AG zukünftig wieder Gewinne macht, sie geradezu machen muss.

Bankenkrise in den Medien klarer und deutlicher definieren

In der Presse mit Printmedien, Rundfunk, Fernsehen und Internet wird eine Bankenkrise zwar nicht herbeigeredet. Sie wird jedoch unscharf, oftmals undifferenziert und aus unterschiedlichen Blickwinkeln definiert. Dadurch entsteht für den Bürger als Bankkunden der Eindruck, dass es irgendwie und an irgendeiner Stelle immer eine latente Bankenkrise gibt. Jedes Medium schildert seine Bankenkrise, eine mögliche Bankenkrise aus seiner eigenen Sichtweise. Die Börse tut das für sich, Banken wie die Europäische Zentralbank EZB, die Deutsche Bundesbank, einzelne Privatbanken, deren Aktionäre und auch die Verbraucherschutzverbände aus Sicht der Bankkunden. Nicht jeder Kritikpunkt am operativen Geschäft der Bank ist gleichbedeutend mit einer Krise. Das Geschehen rund um die Banken war noch nie medial so präsent wie heutzutage. Selbst wenn die eine oder andere Privatbank wie die Maple Bank auf Anweisung der BaFin, Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht geschlossen wird, so ist das zwar eine Krisensituation für dieses Bankhaus, nicht jedoch für die Banken als solche.

Banken werden durch die Bank weg auch im Jahre 2016 Gewinne machen. Entscheidend wird sein, wie die einzelne Bank ihre Ausgaben-/Risikosituation sieht und bewertet. Daraus ergibt sich letztendlich, ob es bei einem bilanziellen Gewinn bleibt, oder ob daraus ein bilanzielles Minus wird.

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