Onlinepayment, Kreditkarte, mobile payment – Wie lange gibt es noch Bargeld?

Bargeld oder Kartenzahlung?Foto ©Bigstock
Geld ist ein Tausch- und Zahlungsmittel und Bargeld nur eine Form von Geld. Eine weitere Form ist Buchgeld. Geld ist letztlich nur ein Tauschmittel. Vor dem Geld herrschte der Tauschhandel. Doch der funktionierte nur eingeschränkt. Denn, wie tauscht man ein Huhn gegen eine Ziege. Bestenfalls ließe sich das Huhn gegen einen Teil einer toten Ziege tauschen. Aber was tut man mit dem Rest der toten Ziege, in einer Zeit, wo es weder Strom noch Tiefkühlschränke gab. Das Problem lässt erkennen, dass der Tauschhandel seine Grenzen hatte. Um diese zu überwinden, musste ein wertstabiles und leicht teilbares Tauschmittel her.

 Silber und Gold, aber auch Natursteine, Muscheln und Getreide waren das erste (Natur-)Geld. Diese Gegenstände waren in ausreichender Menge vorhanden. Gleichzeitig waren schwer leicht zu duplizieren, was einen stabilen Wert garantierte. Naturgeld war leicht teilbar ohne sich selbst zu zerstören. Verbreitet war Naturgeld in allen frühen Hochkulturen. Beliebte Tauschmittel waren auch Felle und in der Kolonialzeit Salz, das auch als weißes Gold bezeichnet wurde.

Das erste Bargeld. Die Münze

Erste Münzen waren zirka 700 bis 1000 v. Chr. in China, Indien und der Ägäis verbreitet. Die Münzen wurden in der Regel aus Bronze hergestellt und mit einer Prägung versehen. Das revolutionäre an der Münze war, dass Münzen gleichen Wertes an ihrer Größe und Prägung leicht zu erkennen waren. Musste Naturgeld wie Muscheln, Salz oder Getreide beim Einkauf auf dem Mark noch abgewogen werden, konnte der Wert der neuen Münzen zur Zählen festgestellt werden. Das beschleunigte den Handel um ein Vielfaches.

Mit der Münze brach eine neue Ära im Handel an. Preise wurde nun in Zahlen angeschrieben und der Kaufpreis durch das Entrichten der Münzen in entsprechender Anzahl entrichtet. Das Prinzip des Bargeldes, wie wir es kennen, war geschaffen. Die Münze war beliebt, wurde zu einem Symbol von Flexibilität und Kraft. Und sie dominierte lange. Bis zur ersten Banknote sollte viel Zeit vergehen. Erst im 11. Jahrhundert wurde Papiergeld in China eingeführt. In Europa sollte es noch ein paar Jahrhunderte dauern, bis im 15. Jahrhundert auch in Spanien das erste Papiergeld erschien. Papiergeld als modernes Zahlungsmittel gab es aber erst ab dem 19. Jahrhundert.

Bargeld gegen Buchgeld

Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts war das Bargeld nicht mehr zu stoppen. Zwar hatten Arbeiter und Angestellte einen geringen Lohn und somit wenig Geld zu Verfügung, die Dominanz von Geld aber war klar erkennbar. Banken gab es zu jener Zeit nur in großen Städten. Löhne und Gehälter wurden zum ersten jedes Monats bar ausbezahlt. Wer es schaffte, sich von dem kargen Gehalt etwas zur Seite zu legen, versteckte es unter dem Kopfpolster oder im Wäscheschrank. Diese Verhältnisse wurde nur durch die beiden Weltkriege und die damit verbundene Kriegswirtschaft unterbrochen. Nach dem Zweiten Weltkrieg aber entwickelte sich mit dem Wiederaufbau eine rapid wachsende Konsumgesellschaft.

Angekurbelt durch neue technische Entwicklungen und der Vollbeschäftigung stiegen Löhne und Gehälter. Dadurch traten auch die Banken verstärkt auf und waren ab nun sogar in kleinen Dörfern anzutreffen. Sparbücher wurden eröffnet, Bausparverträge angelegt und wenn das Ersparte nicht ausreichte, wurde ein Kredit gewährt. Mit dieser Entwicklung trat immer mehr das Buchgeld in den Vordergrund. Buchgeld war für große Unternehmen und staatliche Investitionen längst üblich, für den Konsumenten aber trat es erst in Erscheinung. Vor allem bei Wohnbau der 60iger und 70iger Jahre wurden Rechnungen immer weniger in Bar bezahlt. Stattdessen wurde ein Lieferschein ausgestellt und von der Bank das Geld überwiesen. Das brachte den Vorteil, dass Rechnungen mit großen Beträgen sicher bezahlt werden konnten, da Bargeld nicht nötig war.

Kreditkarte und Bankkarte gegen Bares

Eine Moderne Brieftasche enthält Geldscheine, ein kleines Münzfach mit Platz für ein paar Münzen und viele Steckfächer für Plastikkarten. Vom Lieferschein für die Ziegel zum Hausbau bis zur Kreditkarte war es nur ein logischer Sprung. Dennoch hielten sich Münzen und Scheine in Europa lange, während in den USA bereits die Kreditkarte zum vertrauten Begleiter wurde. Erst nach und nach fand auch die Kreditkarte in Europa Akzeptanz. Die Entwicklung Europas zur modernen EU und die hohe Nachfrage nach Flugreisen unterstützen die Verbreitung der Kreditkarte. Anstatt viele Fremdwährungen mit sich herumtragen, wurden bei Reisen Rechnungen mit der Kreditkarte bezahlt. Das erleichterte die Übersicht über die Ausgaben und ersparte das Verwalten verschiedener Fremdwährungen, die sich im Laufe der Zeit ansammelten. Heute nützen viele Konsumenten Kredit- und Bankkarte auch für den Einkauf im Supermarkt oder für ein Abendessen im Restaurant. Genau hier spalten sich auch die Ansichten. Noch vor einem Jahr fragte man sich, ob Mobile Payment zukunft hat, heute entwickelt sich ein Industrie um die „neue“ Zahlungsmethode.

VIDEO: Stefan Raab bei TV-Total: Noch bietet eine Welt ohne Bargeld Anlass zu Scherzen – wie lange noch?

Plastikgeld oder echtes: Vor und Nachteile

Eine Wohnzimmereinrichtung mit der Karte zu bezahlen, ist für viele sinnvoll, da man keine großen Geldbeträge mit sich tragen muss. Der Kauf einer Zahnbürste mit der Kreditkarte aber wird als unpassend empfunden. Was hier richtig oder falsch anzusehen ist, ist letztlich Ansichtssache und Gewohnheit. Die Meinungen hierzu gehen weit auseinander. Ältere Menschen tendieren aus Gewohnheit zum Geld im Börsel und junge Menschen mehr zur Kredit- und Bankkarte. Aber auch hier gibt es wieder Ausnahmen. Aktuell tragen Menschen in ihrer Brieftasche sowohl Geldschiene, Münzen, als auch verschiedene Karten mit sich.

Ob Bargeld jemals aus unseren Brieftaschen verschwinden wird, lässt sich heute nicht sagen. Zwar kann jede Rechnung auch mit einer Kreditkarte bezahlt werden, aber die Angst vor der digitalen Kontrolle ist bei vielen Bürgern groß. Auch die Gewohnheit an München und Scheine ist weit verbreitet und ist Teil der Kultur. Die Entwicklung aber zeigt, dass immer mehr Zahlungen mit Karten getätigt werden. Der Anteil der Jungen ist hier klar im Vordergrund.

Gerade junge Menschen kaufen gerne im Internet ein, wo die Bezahlung ausschließlich durch Kreditkarte, Banküberweisung oder Bezahldienste wie Paypal erfolgt. Münzen und Scheine haben hier keine Bedeutung. Gleichzeitig tendieren die Einkäufe verstärkt zum Onlinehandel, was wiederum die Bedeutung von Karten stärkt. Dennoch ist Bargeld noch lange nicht tot und noch immer ein fester Teil des täglichen Lebens. Doch der Trend zeigt in Richtung Buchgeld, was durch den verstärkten Auftritt von Online-Banken und Online-Bezahldiensten bestätigt wird.

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