Ratingagenturen

Ratingagenturen kennen die meisten Menschen wohl erst seit Beginn der Wirtschaftskrise. Von diesem Zeitpunkt an geisterte der Begriff in schöner Regelmäßigkeit durch die Medien. Was genau Ratingagenturen aber machen und wie sie dabei vorgehen, wissen nur die wenigsten.

Ratingagenturen nehmen Bewertungen von Staatsanleihen vor

Ratingagenturen nehmen Bewertungen vor

Ratingagenturen sind private Unternehmen, die andere Unternehmen, aber auch Staaten hinsichtlich ihrer Kreditwürdigkeit bewerten. Dabei vergeben die Agenturen Noten von AAA (bestmögliche Bewertung) bis D (zahlungsunfähig). Beauftragt werden sie in der Regel von Kreditgebern, um die Kreditwürdigkeit von potenziellen Kreditnehmern zu bewerten. Diese Bewertung ist kostenpflichtig. Da sich auch Staaten Geld leihen müssen, werden auch sie bewertet. In erster Linie sind hiervon dann Staatsanleihen betroffen, denn diese sind nichts anderes als eine Kreditvergabe an den ausstellenden Staat.

Die drei größten und bekanntesten Ratingagenturen sind:

Ähnlich wie bei Unternehmen, wird auch im Falle des Ratings von Staaten deren Finanzlage unter die Lupe genommen. Ist ein Staat hoch verschuldet und steht zu befürchten, dass er seinen Zahlungsverpflichtungen in absehbarer Zeit nicht oder nur eingeschränkt nachkommen kann, wird er in der Regel heruntergestuft. Die Folge für den Staat ist, dass er für Kredite höhere Zinsen bezahlen bzw. höher verzinste Staatsanleihen herausgeben muss, da die Kreditgeber auf diese Weise ihr Risiko abfedern wollen. Neben der Finanzlage des Staates bewerten Ratingagenturen auch die dort vorherrschende allgemeine wirtschaftliche Lage, sowie die politische und soziale Stabilität und lassen diese Punkte ebenfalls mit in das Rating einfließen. Häufig stehen Ratingagenturen aber vor dem Problem, nicht alle relevanten Daten zu kennen. Sei es, weil sie keinen Zugriff darauf erhalten oder Schuldner Informationen zurückhalten oder verharmlosen.

Auch aufgrund dieser Ungenauigkeiten der Ratingagenturen gelten Staatsanleihen jedoch in den meisten Fällen als relativ sichere Geldanlage. Selbst ein extrem schlechtes Rating eines Staates muss also nicht zwangsläufig bedeuten, dass dessen Staatsanleihen wertlos sind. Allerdings ist das Risiko eines Verlustgeschäftes hier höher zu bewerten, als bei Staaten mit besseren Ratings.