Sparkassen wegen Zinstief unter Handlungsdruck

Beten für Sparkassen – die niedrige Zinspolitik der EU macht den Sparkassen zu schaffen
Droht den Sparkassen durch die Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) das Aus? Einige der Probleme scheinen hausgemacht. Beim Filialnetz etwa laufen der Bank die Kosten aus dem Ruder, immer mehr frei werdende Stellen werden nicht neu besetzt. Kunden monieren niedrige Zinsen, müssen sich auf steigende Gebühren einstellen. Und der Versuch, Geldanleger aus Hochzins-Verträgen hinaus zu drängen, ist an einem Gerichtsurteil gescheitert, das diese Vorgehensweise verboten hat. Am meisten aber leiden die Sparkassen unter dem massiven Rückgang der Zinsüberschüsse, also jener Einnahmen, die der Sparkasse durch Kredite normalerweise zufließen. Keine Frage, die Bank kämpft ums Überleben, der Handlungsdruck steigt kontinuierlich weiter an.

Sparkassen monieren falsches Signal der EZB

Mit der Herabsetzung des Leitzinses auf Null, hat die EZB dem Sparkassen- und Giroverband so manche gute Geschäfte verhagelt. Vorbei sei die Zeit kostenloser Kontoführung, lässt der Verband verlauten und kündigte bereits an, die Kunden müssten sich auf höhere Gebühren einstellen. Auch den gewerblichen Kunden mit hohen Einlagen droht Ungemach. Auf sie kommt die Belastung zu, dass die Branche jene Strafzinsen, die sie für bei der EZB geparktes Geld zahlen müssen, kurzerhand weiterreichen. Von dieser Entwicklung sei der Privatkunde nicht betroffen. „Noch nicht betroffen“, wird bereits mit einem Blick in die nahe Zukunft vermutet.
Die Sparkassen müssen sich darauf einstellen, zunehmend von ihrer Substanz zu leben. Dabei sah die Situation 2015 durchaus noch rosig aus. Mit Kreditvergaben und Kundeneinlagen waren Zuwächse zu verbuchen, stark nachgefragt waren Finanzierungen für Häuser und Wohnungen, die Kunden sorgten für weitere Spareinlagen in Höhe von rund 25 Milliarden Euro, obwohl sie sich mit extrem niedrigen Zinsen zufrieden geben mussten. Diese Entwicklung bescherte den Geldhäusern bis zum Ende des Jahres eine in fünf Jahren aufgerechnete Vorsorgereserve von 19,4 Milliarden Euro. Die Entscheidung der EZB dürfte das Ergebnis jedoch weiter eintrüben, schon werden Stimmen laut, der Staat müsse beim Sparen helfen, entsprechende Anreize schaffen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) senkt den Leitzins auf 0 – Zum Leidwesen der Sparkassen

Die Europäische Zentralbank (EZB) senkt den Leitzins auf 0 – Zum Leidwesen der Sparkassen

Flucht in kurzfristige Anlagen

Gerade bei den privaten Haushalten setzt sich der Trend fort, ihr Geld trotz niedriger Zinsen verstärkt in kurzfristige und als sicher geltende Bankeinlagen zu investieren. Doch die Forderungen der Sparkassen nach Hilfe des Staates, wonach sich das Sparen trotz des ungünstigen Zinsniveaus weiter lohnen müsse, bleiben ungehört.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat unmissverständlich sein Nein zu staatlichen Hilfen unterstrichen, setzt stattdessen auf mehr Investitionen, sollten die dafür notwendigen Spielräume geschaffen sein. Experten sind außerdem der Ansicht, die Auswirkungen der Niedrigzinsphase führe zu weiteren Beeinträchtigungen bei der Altersvorsorge, die auch die Schere zwischen Arm und Reich weiter spreizen würde.

Anreize könnten allerdings Steuersparnisse oder eine Erhöhung der Arbeitnehmer-Sparzulagen sein. Beim Sparkassenverband ist man sich jedoch sicher, dass sich der Rückgang der Zinsüberschüsse weiter senken werde, es sei die falsche Strategie, auf Dauer von der Substanz leben zu müssen.

Kräftige Gebührenerhöhungen stehen ins Haus

Die eine oder andere Sparkasse im Verbund sucht angesichts der aktuellen EZB-Entscheidungen ihr Heil in der Flucht nach vorne. In Briefen an ihre Kunden berufen sich die Verantwortlichen auf die Vergangenheit, in der man die Preise habe stabil halten können.

Nun aber sei festzustellen, dass die Gebühren fürs Girokonto vor dem Hintergrund der Kostenexplosion in den Bereichen Personal, Software und Geräten kräftig steigen müssten. Angehoben werden danach die Konto-Grundgebühren, teurer werden Papier- und Online-Überweisungen.

Aus solchen Ankündigungen wird das ganze Dilemma der Sparer und der Bankhäuser gleichermaßen ersichtlich. Mit Guthaben und Spareinlagen alleine lässt sich kaum noch Geld verdienen, das aber dringend für die Erhaltung des Filialnetzes, es besteht derzeit aus 416 Filialen und über 25.000 Geldautomaten, benötigt wird. Ob die Kunden diese Begründungen auf Dauer akzeptieren, dürfte jedoch fraglich sein. Fachleute raten bereits vermehrt zu einem Bankenwechsel, der allerdings gut überlegt sein sollte.

Sparer laufen den  Sparkassen davon...

Sparer laufen den Sparkassen davon…

Der Teufelskreis dürfte sich noch weiter ausdehnen

Durch das Ziel der EZB, die Märkte mit Milliarden zu stärken und von den Banken gleichzeitig immer höhere Strafzinsen zu fordern, lässt das Geschäftsmodell der Sparkassen erzittern. Betroffen von dieser Politik sind aber auch die Verbraucher. Deren Renditen bei Geldmarkt- und Rentenfonds schrumpfen ebenso wie etwa bei Lebensversicherungen, die von Negativzinsen belastet werden. Für die Banken im Sparkassen- und Giroverband bedeutet diese Entwicklung einen weiteren Abwärtstrend.

Die Ertragslage geht trotz Zahlung niedriger Zinsen zurück, dringend benötigte Erträge durch Anlagegelder bei der EZB können kaum noch generiert werden. Der Großfilialist mit dem „S“ im Logo befindet sich danach in einem Teufelskreis, der sich in der nahen Zukunft noch beschleunigen dürfte.

Es fehlt an lukrativen Alternativen. Bleibt die Frage, ob die Verbundbanken als Rettungsanker u.U. auf Investitionen in Risikoanlagen zurückgreifen werden. Die Entscheidung der EZB, so das einhellige Sparkassen-Credo, käme jedenfalls einer Enteignung der deutschen Sparer gleich. Werden die Kunden die Zeche allein bezahlen müssen?

Bildquelle:

wikipedia-CC-4.0-by-MV_kskbsb

wikipedia-CC-1.0-by-Tilman_AB

wikipedia-CC-by-SA-4.0-by-MV_kskbsb

Ähnliche Beiträge