Tchibo Story

Tschobo - Ein Multibrand in Deutschland!Foto ©Bigstock
Tchibo kennt in Deutschland wahrscheinlich jedes Kind. Dieser Begriff steht schon lange nicht mehr nur für Kaffee, sondern auch für Haushaltswahren, Textilien und viele Dinge mehr. Nur wenige wissen jedoch, dass sich hinter diesem berühmten Namen eine Familie mit dem Namen Herz steht. Mit diesem Namen sind ein gewaltiger Aufstieg während des Wirtschaftswunders und eine sagenhafte Familiengeschichte verbunden.

Die Anfänge

Der Gründer Max Herz war ein hanseatischer Kaufmann, der schon in den zwanziger Jahren in der Hamburger Speicherstadt mit Kaffee Handel betrieb. Er war gelernter Rohkaffeehändler und übernahm die Importfirma seines Vaters. Dessen Geschäftskontakte überstanden den Ersten Weltkrieg und waren für die Fortführung des Geschäftes von Nutzen. Max Hertz gründete nach dem Zweiten Weltkrieg 1949 das heute so bekannte Unternehmen. Die Gründung erfolgte gemeinsam mit seinem aus Armenien stammenden Geschäftspartner Carl Tchilinghiryan. Daraus entstand der berühmte Name „Tchibo“, nämlich aus dem Namensbestandteil „Tchi“ und der Silbe „Bo“ für „Bohne“. So entwickelte sich die Marke zu dem heute bekannten Unternehmen.

Tchibo in den Wirtschaftswunderjahren


Max Herz begann mit dem Verkauf der ersten Kaffeepakete, indem er Rechtsanwälte und Ärzte konsultierte und diesen Kaffee durch Postversand anbot. Dadurch fand Herz den Einstieg in den Versandhandel, ohne einen flächendeckenden Vertrieb aufbauen zu müssen.

Hinzu kamen Gratisprodukte, zu denen Handtücher, Stoffservietten und bunte Blechdosen zählten. Diese lagen den Kaffeepaketen bei und gewährten die Bindung der Kunden. Ebenso entstanden für Tchibo neue Märkte.

Herz, der ein galanter Kaufmann war, betrieb zusätzlich noch ein Lotteriegeschäft. 1952 erfolgte das eigene „Tchibo-Magazin“, das aus Rezepten, Modetipps und Horoskopen bestand. Als der Versandhandel immer schlechter wurde, begann Herz mit Verkaufs- und Probierfilialen, wodurch sich der Umsatz innerhalb weniger Jahre verzehnfachen konnte. Bis 1954 investierte Herz jedoch alles wieder in sein Unternehmen. Seine privaten Ausgaben bestritt er ausschließlich aus den Einnahmen des Lotteriegeschäftes. Für Geschäfte, die sich in guter Lage befanden, zahlte Herz bis zu 100.000 Mark an Ablösesumme. In den Folgejahren verzehnfachte sich der Umsatz und es entstanden immer mehr Filialen.

Zudem kreierte Herz immer neue Kaffeemischungen und gilt als Erfinder des Gold-Mocca. Da Kaffee seinerzeit noch als Luxusprodukt galt, wurde die Verpackung von Tchibo hochwertig gestaltet. Der Kaffeeverkauf erfolgte zunächst in Tüchern und anschließend in Dosen.

1960 erwirtschaftet Tchibo bis zu 12 Millionen Mark Gewinn. Erst jetzt beginnt Max Herz, seinen bisherigen sparsamen Lebensstil zu beenden. Er kauft sich Villen in Hamburg und an der Ostsee und erwirbt ein eigenes Gestüt. Zudem fährt er zum Urlaub an das Mittelmeer.

Weitere Ausweitung des Unternehmens

Im Oktober 1955 wurde in Hamburg die erste Tchibo-Filiale eröffnet, bei der Kunden erstmals Kaffee vor einem Kauf probieren konnten. Anschließend wuchs das Filialnetz immer schneller und dehnte sich auf die damalige Bundesrepublik Deutschland aus. 1963 erfolgte in Bäckereien und Konditoreien die Einrichtung von „Frisch-Depots“, bei denen Tchibo Kaffeesorten in optisch hervorgehobenen Regalen angeboten wurden.

Ende der Ära Max Herz

Max Herz verstirbt 1965 an einem Herzinfarkt. Zuvor hatte er in seinem Testament festgelegt, dass zwei der „befähigsten Jungen“ die Firma Tchibo übernehmen sollen. Herz hinterließ die Söhne Günter, Joachim, Michael und Wolfgang, zu denen noch die Tochter Daniela kam. Sohn Günter übernahm in einem Alter von Mitte zwanzig den Vorsitz der Firma, während Michael den Vertrieb leitete. Beide waren sehr erfolgreich und bauten das Geschäft mit weiteren Artikeln aus. Sie erfinden den Slogan

Jede Woche eine neue Welt„.

Daneben gelang es ihnen, den Konkurrenten Eduscho zu übernehmen. Im Jahr 2001 kam es zum Bruch der Geschwister. Günter und Daniela ließen sich ausbezahlen, während Joachim stirbt, als ihn beim Baden eine Schiffsschraube erfasste. Das Familienunternehmen wird nunmehr von Michael und Wolfgang geführt.

Unbekannte Gesichter

Der Familie Herz gelang es, innerhalb von nur zwei Generationen aus einem kleinen Kontor von Hamburgs Speicherstadt ein Milliardenunternehmen zu machen. Die Familie gehört zu den reichsten in Deutschland und bleibt dennoch völlig unbekannt. Die Mitglieder leben völlig zurückgezogen und sind auf nur wenigen Fotos zu sehen. Ihnen sagt man nach, über den Hamburger Rathausplatz gehen zu wollen, ohne dass jemand über sie sagt, „da ist der Herz“.

Geschäftsentwicklung

1974 erwarb Tchibo eine Minderheitsbeteiligung der Beiersdorf AG und 1980 die Mehrheit an der Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH. 1988 entstand die Tchibo Holding AG, die durch die Maxingvest abgelöst wurde. 1991 folgten Auslandsgeschäfte der Tchibo Holding durch die Tochtergesellschaft Tchibo International. Es folgten weitere Tochterunternehmen, wie die Tchibo Café Service, ein Versandvertrieb (Tchibo Direct) und sogar ein Reisebüro.

2003 folgte sogar eine Zusammenarbeit mit der Royal Bank of Scotland und von 2004 bis 2010 gab es sogar Versicherungen. Selbst im Mobilfunkgeschäft war das Unternehmen aktiv, indem es seit 2004 in Kooperation mit O2 Mobilfunk unter der Bezeichnung Tchibo Mobil anbot. Selbst im Bereich von Ökostrom ist das Unternehmen seit 2010 aktiv. 2007 erfolgte die Einstellung der Eigenmarke TCM (Tchibo Certified Merchandise).

Selbst kuriose Dinge fanden Einzug in das Sortiment. Dazu zählten beispielsweise Einfamilienhäuser, Ultraleichtflugzeuge und sogar Inseln. Somit wurde das Unternehmen zum Allroundtalent, bei dem jede Woche neue Produkte aufgenommen wurden. Der Kaffee selbst macht nicht einmal die Hälfte des Umsatzes aus.

Auszeichnungen

Das Unternehmen wurde 2012 mit dem Preis für Unternehmensethik aufgrund seines Engagements für eine Nachhaltigkeit seiner Geschäftstätigkeit ausgezeichnet. 2013 erfolgte die Auszeichnung mit dem CSR-Preis der Bundesregierung für eine nachhaltige Geschäftstätigkeit. 2014 wurde vom Unternehmen die Detox-Kampagne von Greenpeace unterzeichnet. Tchibo strebt dabei die Herstellung von Textilien ohne Schadstoffe an.

Tchibo GmbH

Heute gehört die Tchibo GmbH zu den größten deutschen Konsumgüter- und Einzelhandelsunternehmen. Sie befindet sich zu 100 Prozent im Besitz der Maxingvest AG, die als Dachgesellschaft über dem Teilkonzern Tchibo steht. Der Konzern beschäftigt mit seinen Tochterunternehmen etwa 12.500 Mitarbeiter, von denen 8.500 in Deutschland arbeiten. Der Umsatz betrug 2014 3,4 Milliarden Euro.

ZDF-Doku

Die Unternehmensgeschichte wird vom ZDF als letzter Teil der Serie „Deutschlands größte Clans“ zu sehen sein. Die Autoren befassen mit der Gründung des Unternehmens und zeigen in Spielszenen Max Herz und erstmals wird sogar eine Filmaufnahme des Firmengründers gezeigt.

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