Was kostet Deutschland ein Flüchtling?

Flüchtlinge in Deutschland werden willkommen geheißenFoto ©Bigstock

Große Krisen in verschiedenen Regionen dieser Welt, bei denen versucht wird mit militärischen oder paramilitärischen Mitteln eine Lösung herbeizuführen, verursachen entsprechend große Flüchtlingsströme. Aktuell sind es die schon einige Jahre anhaltenden Kämpfe in Syrien, die den eigentlich immer bestehenden Strom an flüchtenden Menschen verstärkt. Wer in seinem Heimatland seiner Lebensgrundlage beraubt wird, und um das eigene Leben fürchten muss, flüchtet.

In Bezug auf Syrien stellt sich die Flucht zudem noch als sehr schwierig dar, da die Anrainerstaaten des Landes oft selbst mit politischen, sozialen und militärischen Problemen zu kämpfen haben. Dabei zeigen sich jedoch große Diskrepanzen, die nicht so leicht zu erklären sind. Die Türkei beispielsweise beherbergt mehr syrische Flüchtlinge als alle anderen Länder dieser Welt, hingegen das unglaublich reiche Saudi-Arabien nicht einen einzigen Flüchtling aufnimmt. Viele der Flüchtlinge sehen in einer Flucht nach Europa den einzigen Weg, einerseits dem Desaster in ihrem Heimatland zu entkommen und andrerseits für die Zukunft vorzusorgen. Dabei ist Deutschland dank seiner stabilen politischen Verhältnisse und seiner Kultur der Gastfreundschaft ein beliebtes Ziel, was sich gerade im Jahr 2015 durch eine enorm hohe Anzahl an Asylanträgen in der Bundesrepublik zeigt.

Statistiken zu Flüchtlingen in Deutschland

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zeigt in seiner Statistik zu Asylanträgen bereits seit dem Jahr 2009 ansteigende Werte, wobei ab dem Jahr 2012 pro Jahr fast eine Verdopplung der Flüchtlingszahlen vermerkt ist. Im selben Jahr begannen in Syrien die Aufstände gegen den dort herrschenden Diktator Assad. Im Jahr 2013 kamen die Kriegsgeschehnisse um den islamischen Staat dazu und aktuell fechten scheinbar die Großmächte USA und Russland einen Stellvertreterkrieg in diesem Land aus.

Die gesamten Asylanträge für Flüchtlinge nach Deutschland in Zahlen ab dem Jahr 2010:

  • 2010: 48.589
  • 2011: 53.347
  • 2012: 77.651
  • 2013: 127.023
  • 2014: 202.834
  • 2015 (Januar bis September): 303.443

Damit ähneln diese Zahlen denen der 90er Jahre mit dem Ausbruch der Jugoslawienkrise, an deren Höhepunkt im Jahr 1992 in Deutschland 438.191 Asylanträge gestellt wurden. Aus dem Umbruch im ehemaligen Warschauer Pakt und den folgenden politischen Veränderungen zeigt sich noch heute eine Problematik, die mit dem Begriff Wirtschaftsflüchtlinge in Zusammenhang steht. Vor allem das kleine Land Albanien scheint seinen Einwohnern so wenige Perspektiven zu bieten, das der Anteil an Asyl beantragenden Menschen aus diesem Land praktisch seit fast 25 Jahren gleich hoch bleibt. In einer Rangliste der aktuellen Asylanträge in Deutschland ergibt sich folgende Tabelle:

Land
Asylanträge in %

(gemessen an der gesamten Zahl der Asylanträge in Deutschland)
Syren 40,9
Albanien 16,4
Afghanistan 6,7
Irak 6,1
Serbien 3,0
Eritrea 2,7
Pakistan 2,6
Mazedonien 2,2
Kosovo 1,5
Sonstige 17,9

Etwa ein Viertel aller Asylanträge stammt von Menschen des Balkanraumes, der momentan nicht als Kriegsgebiet betrachtet wird, und die deshalb mit einer Ablehnung des Antrages rechnen müssen.

Was kostet Deutschland die Flüchtlinge?

Die Kosten für die Unterbringung und Verpflegung von Flüchtlingen, die einen Asylantrag stellten, werden von den jeweiligen Gemeinden und Kommunen übernommen. Ein Teil dieser Kosten werden durch die jeweiligen Landesämter erstattet. In der Regel handelt es sich hierbei um Pauschalen, die aber nicht die Gesamtkosten decken. Die bayrischen Landesämter hingegen übernehmen die gesamten Kosten der Kommunen. Diese Regelung findet sich ebenso im Saarland und Mecklenburg-Vorpommern. Im Durchschnitt werden pro Flüchtling und Jahr Kosten von etwa 12.000 bis 15.000 Euro veranschlagt.

10 Milliarden Euro

Im Moment wird mit der Möglichkeit spekuliert, dass bis zum Jahresende 2015 mehr als 800.000 Flüchtlinge in Deutschland Asyl beantragen könnten. Das würde einen Gesamtbetrag von rund 10 Milliarden Euro an Kosten bedeuten, wobei der Bund seine Hilfen für die Flüchtlinge im Jahr 2015 bereits verdoppelte und weitere Steigerungen für das Jahr 2016 ankündigte. Wie jedoch die angenommene Zahl von 800.000 Flüchtlingen noch in diesem Jahr zustande kommen soll, ist schwierig zu ergründen, zumal der Winter bevorsteht und damit häufig genutzte Flüchtlingsrouten nicht mehr passierbar sind. Ausgehend von den dieses Jahr in Deutschland eingetroffenen Flüchtlingen in Höhe von 303.000 Personen bis Ende September kann eher angenommen werden, das die Anzahl der neuen Flüchtlinge in Deutschland bis zum Jahresende nicht einmal die 500.000 Grenze erreichen wird. Damit lägen die Gesamtkosten etwa bei 6 Milliarden Euro. In den letzten Jahren waren naturgemäß die Kosten für die Unterbringung und Verpflegung von Flüchtlingen in Deutschland aufgrund der wesentlich niedrigeren Anzahl an Asylanträgen um einiges niedriger, wobei sich die Kosten anhand der Statistik zu den Flüchtlingszahlen leicht berechnen lassen.

Wer ist für Flüchtlinge in Deutschland verantwortlich?

Offiziell muss ein Flüchtling in Deutschland den Antrag auf Asyl an der Grenzübergangsstelle einreichen oder zuerst mündlich formulieren, an dem er oder sie den Boden der Bundesrepublik Deutschland betritt. Eigentlich sind innerhalb der EU die Länder mit den EU-Außengrenzen für die Aufnahme und Registrierung der Flüchtlinge verantwortlich, wobei sich jedoch gerade in den letzten Monaten zeigte, dass der Flüchtlingsstrom aus Asien und Afrika die betreffenden Länder vor unlösbare Probleme stellt. Der Antrag auf Asyl in Deutschland wird dementsprechend im jeweiligen Bundesland gestellt, in das der Flüchtling zuerst einreist. Mit der Asylbeantragung geht ein Registrierungsprogramm einher, um die Identität der jeweiligen Person festzustellen und festzuhalten. Danach erfolgt zunächst eine Unterbringung in einer Erstaufnahmeeinrichtung und eine Erstversorgung. Bis zu diesem Zeitpunkt ist das jeweilige Bundesland für den Flüchtling verantwortlich. In der folgenden Zeit werden die Flüchtlinge anhand eines Verteilungsschlüssel (Königsteiner Schlüssel) über Gemeinden und Kommunen verteilt oder sogar in ein weiteres EU-Land verbracht. Die Verantwortung für Flüchtlinge in Deutschland liegt letztlich also bei den Gemeinden und Kommunen, die sowohl für eine Unterbringung der Flüchtlinge zu sorgen haben als auch für deren Verpflegung und medizinische Betreuung.

Wenn von Kosten die Rede ist und dabei Landesämter, der Bund oder Gemeinden als Kostenträger bezeichnet werden, ist es natürlich im Endeffekt der Steuerzahler, der über die verschiedenen Steuerarten die Kosten für Flüchtlinge in Deutschland trägt. Allerdings darf dies nicht nur als eine Einbahnstraße verstanden werden. Abgesehen von der Problematik unterschiedlicher Kulturen zeigte sich gerade in Deutschland die Integrationspolitik als durchaus erfolgreich. Eine beträchtliche Anzahl ehemaliger Flüchtlinge in Deutschland integrierte sich in der Gesellschaft und trägt selbst zum sozialen Leben und auch zum Steueraufkommen bei.

 

 

Bildquelle: radekprocyk/Bigstock.com