Weltweites Internet – Vision oder nahe Zukunft?

Weltweites Internet, vor allem mobiles Internet – wann wird die Vision Wirklichkeit?
In den hoch entwickelten Industriestaaten dieser Welt ist das Internet längst zum selbstverständlichen Bestandteil des täglichen Lebens geworden und auch in den urbanen Zentren selbst ärmster Länder besteht eine sehr hohe Internetdichte. Aber die Welt besteht nun nicht nur aus dicht besiedelten Städten und technisch hochgerüsteten Regionen, sondern geografisch gesehen aus einer Vielzahl relativ dünn besiedelter Flächen, auf denen gleichermaßen Menschen wohnen und leben und für sich das Recht in Anspruch nehmen, die Vorteile des Internets zu nutzen. Diese Vorteile sind erheblich, denn der blitzschnelle Datenaustausch und der Zugriff auf Informationen in Echtzeit beflügelte die Wirtschaft in praktisch allen Industrieregionen und den wirtschaftlichen Zentren vieler Drittweltländer. Ein Internetzugang bedeutet heute einen unschlagbaren Vorsprung in Bildung und Information.

Tatsächlich können diesen Vorsprung aktuell, Stand 2015, von 7,3 Milliarden Menschen auf dieser Erde nur etwa 3,3 Milliarden nutzen, wobei es hier in der ständigen Möglichkeit des Internetzugriffs wiederum regionale Unterschiede gibt. In Prozenten ausgedrückt, sind von 100 % der Menschheit nur rund 45 % mit einem Internetzugang ausgestattet.

Aber schon diese Entwicklung ist in Anbetracht der Zeit, seit es das Internet als Konsum-Produkt gibt, erstaunlich. Das Massenphänomen des 20. Jahrhunderts, das Fernsehen, benötigte für eine derartige Verbreitung weit länger und der Verbreitungszyklus des Buches muss von dessen ersten Massendruck an in Jahrhunderten gemessen werden. Vorangetrieben wird der Ausbau auch durch den Ausbau der mobilen Bezahlsysteme.

Die aktuelle Verteilung

Weltweites Internet gibt es, zumindest ist in jedem Staat der Welt diese Technik greifbar, jedoch je nach politischer Lage und technischer Infrastruktur in sehr unterschiedlicher Verteilung. Nach Kontinenten gesichtet, verteilt sich weltweites Internet, Stand 2015, folgendermaßen:

  • Asien /Naher Osten – 4,4 Milliarden Einwohner mit 1,745 Milliarden Internetzugängen
  • Europa – 742 Millionen Einwohner mit 604 Millionen Internetzugängen
  • Lateinamerika – 630 Millionen Einwohner mit 344 Millionen Internetzugängen
  • Nordamerika – 357 Millionen Einwohner mit 313 Millionen Internetzugängen
  • Afrika – 1,171 Milliarden Einwohner mit 330 Millionen Internetzugängen
  • Australien/Ozeanien – 40 Millionen Einwohner mit 27 Millionen Internetzugängen

Dieser Überblick zeigt, dass im Land, in dem alles als Netzwerk zwischen Universitäten begann, den USA, die Verfügbarkeit am höchsten ist. Zweiter ist Europa, dann Australien gefolgt von Südamerika und Asien. Das Schusslicht bildet der Vielvölker-Kontinent Afrika, indem sich zahlreiche Länder befinden, die aufgrund politischer und religiöser Konflikte kaum über die technischen Voraussetzungen verfügen, ein flächendeckendes Netz aufzubauen. Auch im Großraum Asien befinden sich gigantische Gebiete, wie etwa Sibirien und die Mongolei, die so dünn besiedelt sind, dass sich der Aufbau eines entsprechenden Netzwerkes wirtschaftlich nicht rechnet.

Video: moderne Lösungen Breitbandinternet an „unmöglichen“ Orten bereitzustellen.

Das Smartphone als Informationsquelle

Natürlich könnte dank entsprechender Technik der Internetzugang auch über Satellit erfolgen, wobei aufseiten der Nutzer bereits eine sehr starke Verbreitung zumindest eines Endgerätes vorhanden ist. Mobiles Internet ist aufgrund der Verbreitung des Smartphones das Thema der Gegenwart.

Weltweit befinden sich über 5,6 Milliarden Smartphones im Umlauf, die über W-Lan-Technik verfügen. Gerade in Drittweltländern hat sich das Smartphone schon seit Längerem als Internet-Endgerät etabliert, wobei mit den handlichen Geräten meist ein W-Lan-Hotspot von mehreren Smartphone-Nutzern gleichzeitig verwendet wird.

Würde nun über mehrere Satelliten ein Internet-Zugang ermöglicht, erhöht sich entsprechend die Anzahl der Nutzer. Allerdings muss auch diese Technik bezahlt werden und das ist für weltweites Internet schlicht der Knackpunkt. In den meisten bis jetzt noch Internetfreien Gebieten besteht oft große Armut, deren Beendigung in nächster Zeit kaum zu erhoffen ist. Dazu kommen politische Situationen wie die einer Diktatur, in der ein offener Informationszugang für die Bevölkerung von den Machthabern nicht erwünscht ist.

Stagnierende Zuwächse

Große Zuwachsraten bezüglich der Internetanschlüsse sind so oder so nur noch aus Asien und Afrika zu erwarten. In Betrachtung der Statistiken zu den weltweit neu hinzukommenden Internetanschlüssen zeigt sich für Europa, Nordamerika sowie Australien und vereinzelten Staaten Asiens eine Sättigungsgrenze an, die nur noch wenig Wachstum erwarten lässt. In Deutschland erhebt das Statistische Bundesamt jährlich die Nutzerzahlen des internets sowie der mobilen Intetnutzung.

Was bleibt, um ein weltweites Internet möglich zu machen, sind Länder, die sich das Internet entweder nicht leisten können oder nicht wollen. Da nützen auch so fragwürdige Aktionen wie die des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg wenig, der in Indien einen auf seine Produkte beschränkten Internetzugang per Satellit kostenlos zur Verfügung stellen wollte. Nicht nur Datenschützer sehen die Ablehnung der indischen Regierung zu diesem Projekt als durchaus berechtigt an.

 

Die Statistik spielt auf Zeit

Ein deutsches Unternehmen, das sich mit Statistiken beschäftigt, errechnete anhand der zurückliegenden jährlichen Zuwachsraten für das Jahr 2019 weltweit 3,89 Milliarden Internet-Anschlüsse. Im gleichen Zeitraum wächst die Weltbevölkerung um etwa 312 Millionen Menschen auf 7,62 Milliarden an. Das bedeutet zwar einen leichten Anstieg der Internetanschlüsse im Gesamtbild, aber nur eine Steigerung auf etwas mehr als 51 % aller auf diesem Planeten lebenden Menschen. Wird diese Steigerungsrate beibehalten, also alle 4 Jahre 6 % mehr, könnte rein theoretisch in rund 32 Jahren, ausgehend vom Jahr 2015, ein weltweites Internet bestehen.

Das Jahr 2047 wäre dann der Zielpunkt, an dem alle Menschen über einen Internetzugang verfügen.

Fazit: wohl eher nur Vision

Vielleicht erlauben neue Erfindungen in der Netzwerktechnik auch schnellere Wachstumsraten, die es zudem ermöglichen, dass in Krisengebieten und Diktaturen trotz aller Widerstände der Internetempfang und natürlich auch das Senden möglich sind. Das alles dazu noch möglichst kostenlos. Aber das ist reine Spekulation, die von so vielen Faktoren abhängig ist, dass es fast schon wie ein Märchen klingt.

 

Bildquelle: bigstock-ID-108652880-by-Bakhtiar_Zein

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