Wie hoch ist Ihr Dispozins?

Bei einem Dispozins lohnt sich genaues Hinsehen und VergleichenFoto ©Bigstock
In der heutigen Zeit hat jeder rechts- und geschäftsfähige Bürger ein eigenes Girokonto. Seit Mitte des Jahres 2016 dürfen Banken und Sparkassen von Gesetzes wegen keinen Antrag auf Eröffnung eines Girokontos als Jedermanns-Konto ablehnen. Sie müssen das Konto eröffnen, sind jedoch frei in ihrer Entscheidung zu welchem Preis und mit welchen Bankdienstleistungen. Außerdem ist dieses Jedermanns-Konto immer ein Guthabenkonto, das heißt ein Girokonto ohne Dispositionskredit, kurz Dispokredit genannt. Wer als Kontoinhaber über ein regelmäßiges Arbeitseinkommen verfügt, der bekommt von seinem kontoführenden Kreditinstitut entweder sofort bei der Kontoeröffnung oder kurze Zeit später einen Dispokredit angeboten, wie es genannt wird eingeräumt.

Über dieses einseitige Angebot wird kein Kreditvertrag abgeschlossen. Der Kontoinhaber kann entscheiden, ob er das Angebot annimmt oder nicht. Der Dispokredit wird auch nicht in die Schufa-Datenbank eingetragen, im Gegensatz zu einem Raten- oder zu einem Rahmenkredit mit dem dazugehörigen Kreditvertrag. Dispokredit ist gleichbedeutend mit Dispozins.

Für die Inanspruchnahme des Dispokredites wird der tagesaktuell berechnete Dispozins fällig.

Der zieht ins Geld, wie es gerne genannt wird. Im hohen ein- oder auch zweistelligen Prozentbereich des jeweiligen Saldos ist der Dispozins ausgesprochen teuer. Doch wem ist das so richtig bewusst, und was lässt sich dagegen unternehmen?

Kontoinhaber wissen so gut wie nichts über den Dispozins

Eine aktuelle Forsa-Umfrage hat zu diesem Thema Erstaunliches bis hin zu Erschreckendes zutage gebracht. Die Forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH mit Sitz in Berlin, im Sprachgebrauch kurz Forsa genannt, gehört zu den bundesweit führenden, bekannten Markt- und Meinungsforschungsinstituten.

  • Nach einer „Großen Meinungsumfrage“ unter mehr als tausend Kreditnehmern kennen 42 Prozent der Bankkunden keine näheren Details zu ihrem eigenen Dispozins
  • Bei jungen Kontoinhabern im Alter zwischen 18 und 39 Jahren sind es 53 Prozent, also mehr als die Hälfte von ihnen
  • Immerhin noch 50 Prozent der Kontoinhaber mit einem niedrigen Monatseinkommen von bis zu 1.500 EUR kennen ebenfalls ihren Dispozins nicht

Diese Zahlen sind alarmierend

Der Grundsatz, dass nicht mehr Geld ausgegeben werden darf als monatlich eingenommen wird, ist aus dem Blickfeld geraten. Im Privathaushalt müssen sich die Ausgaben nach den Einnahmen richten. Wenn ein Ratenkredit aufgenommen wird, dann muss die Monatsrate für Zinsen und Tilgung bei den Ausgaben berücksichtigt, das heißt eingeplant werden. Der Dispokredit mit dem Dispozins ist das genaue Gegenteil.

Eine Kreditrückführung ist nicht notwendig. Gedacht war er ursprünglich als eine Hilfe, um Terminüberschneidungen von Abbuchungen und Gutschriften zu überbrücken. Miete, Strom- und andere Kosten werden am Monatsanfang abgebucht, während Lohn oder Gehalt oft erst zur Monatsmitte gutgeschrieben werden. In diesen zwei Wochen wird das Girokonto mit dem Dispokredit untergebucht, also mit einem Sollsaldo geführt. Zum Monatsende ist der Saldo auf null und der Dispokredit wieder ausgeglichen. Schön ist es, wenn es so ist!

Doch so ist es nicht, und die Kreditinstitute wissen das

Sie gewähren dem Kontoinhaber einen Dispokredit mit einem Dispozins, der seit jeher mehr als deutlich über den Sollzinsen für einen Ratenkredit liegt. Dem kostenbewussten Kontoinhaber kommt sehr schnell der Gedanke, dass er bei einer Umschuldung Monat für Monat bares Geld spart. Umschuldung heißt in diesem Sinne, dass der Dispokredit durch die Aufnahme eines normalen Konsumentenkredites abgelöst wird. Dazu gehört allerdings auch die Selbstdisziplin, zukünftig auf den Dispokredit zu verzichten. Der wird oftmals vom Kreditgeber bei einer Umschuldung ohnehin reduziert oder zurückgenommen.

Anhand eines einfachen Beispiels wird deutlich, wie viel Geld sich vom ersten Monat an tatsächlich sparen lässt

Bei einem Monatseinkommen von 1.500 EUR ist der Dispokredit doppelt so hoch, also 3.000 EUR. Wenn er ein halbes Jahr lang bei einem Dispozins von 12 Prozent in Anspruch genommen wird, werden jährlich 360 EUR an Dispozinsen fällig. Die Alternative dazu ist ein Kleinkredit über 3.000 EUR mit einer Laufzeit von drei Jahren. Der bonitätsabhängige Effektivzinssatz wird bei der momentanen Niedrigzinspolitik mit 1,0 Prozent angesetzt. Das ist absolut realistisch.

Für die insgesamt 36 Monate werden 1/12 Zinsen fällig. Dieser Zahlenvergleich macht deutlich, wie teuer Dispokredit und Dispozins sind, und wie hoch die Gewinnspanne des Kreditinstitutes ist. Vor diesem Hintergrund gibt es im Grunde genommen keine Alternative zu einer Umschuldung mit einem Verbraucherkredit als Ratenkredit.

Sämtliche Konditionen wie Kreditsumme, Kreditlaufzeit, Effektivzinssatz sowie Monatsrate werden vertraglich fixiert und stehen dauerhaft fest.

Mit der Excel-Tabelle ist das Aufstellen eines Zahlungs- und Tilgungsplanes ein Leichtes. Oftmals gehört er als Anlage zum Kreditvertrag. Einen Guten Überblick geben hier Kreditvergleiche im Internet, wie beispielsweise smava.

Dispokredit und Dispozins erschweren die Kreditrückführung

Das „Tückische“ an einem Dispokredit ist die Situation, dass es keinen festen Tilgungsplan gibt, und dass die Dispozinsen immer erst im Nachhinein monats- oder quartalsweise dem Girokonto belastet werden. Der Kontoinhaber müsste zur Kreditreduzierung Monat für Monat einen „Betrag X“ als indirekte Kreditzahlung auf dem Konto stehen lassen. Damit verringern sich der Sollsaldo und damit auch der Dispokredit. Ungeachtet dessen wird der hohe Dispozins berechnet und abgebucht. Insgesamt gesehen ist das ein mühseliges Unterfangen, schwierig zu bewerkstelligen und äußerst schwer umzusetzen.

Umschuldung mit Ratenkredit und Schufa-Eintragung

Wenn überhaupt, dann kann die Eintragung des Ratenkredites in die Schufa-Datenbank als Nachteil gesehen werden. Banken und Sparkassen lassen als Geschäftspartner der privaten Wirtschaftsauskunftei sämtliche Vertragsgeschäfte als Information in die Schufa eintragen. Davon betroffen ist der Schufa-Basisscore. Er wird von allen Schufa-Geschäftspartnern zur Bonitätsbewertung bei Vertragsabschlüssen herangezogen. Verträge wie ein Ratenkredit sind eine Verbindlichkeit, mit der ein Kreditnehmer die Verfügbarkeit seines Einkommens einschränkt. Das Girokonto selbst ist ebenfalls als Information in die Schufa eingetragen worden, nicht jedoch der Dispokredit.

Als Resümee bleibt festzustellen

dass schon bei der Kontoeröffnung der Dispozins für den Dispokredit ein wichtiges bis hin zu entscheidendes Kriterium sein muss. Im Laufe von Jahren addieren sich die Dispozinsen zu einem hohen vierstelligen Eurobetrag. Ein, zwei oder noch mehr Prozent Unterschied beim Dispozins sind eine deutliche Ersparnis. Die ist allerdings erst dann so richtig „durchschlagend“, wenn der Dispokredit im Rahmen einer Umschuldung durch einen Ratenkredit abgelöst wird.


Bildquelle:

Bigstock